Investorenfamilie übt Kritik an Strategie
Aktionäre setzen Vivendi unter Druck

Während der Kursverfall der Vivendi-Universal-Aktie weiter geht, zeichnen sich im Kreis der Aktionäre eine Verhärtung der Fronten im Streit um die richtige Unternehmensstrategie ab.

PARIS. Die Debatte um die Abspaltung der Versorgersparte vom Mischkonzern Vivendi Universal S.A. hat sich am Wochenende nochmals zugespitzt. Wie in aus Kreisen, die der Konzernspitze nahe stehen, bekannt wurde, hat sich der kanadische Rechtsanwalt Samuel Minzberg bei mehreren Großaktionären von Vivendi Universal um Unterstützung für Pläne bemüht, die Tochter Vivendi Environnement S.A. schnellstmöglich vom Konzern abzutrennen.

Weder Minzberg noch Vivendi Universal bezogen zu den Informationen Stellung. Doch sind entsprechende Vorstellungen von angelsächsischer Seite seit der Neuorientierung des Konzerns immer wieder geäußert worden. Mit der Abtrennung würde Vivendi Universal ein reines Medienunternehmen und gewönne für US-Anleger als Investment an Wert.

Allerdings spricht manches gegen einen vollständigen Verkauf oder die Dekonsolidierung von Vivendi Environnement, wie Pariser Analysten unterstreichen: Wegen der hohen Verschuldung der Sparte sowie Ausgleichsklauseln für einige ihrer Beteiligungen ließe sich derzeit kein Preis erzielen, der ihren langfristigen Wert angemessen widerspiegelt.

Kein Käufer in Sicht

Zudem ist kein Käufer in Sicht: Die im gleichen Geschäft tätige Suez S.A. scheidet aus kartellrechtlichen Gründen aus. Angebliche Pläne Vivendi Environnement an Air Liquide S.A. zu koppeln und damit ein von Suez-Chef Gérard Mestrallet verworfenes industrielles Konzept wieder aufzugreifen, wurden von dem Industriegaseriesen prompt dementiert.

Dennoch hat Minzbergs Stimme Gewicht. Der Anwalt repräsentiert unter Vivendis Aufsichtsräten Charles Bronfman, einen mächtigen Erben der auf Vivendi verschmolzenen Seagram-Gruppe. Zuletzt war der Kapitalanteil der Bronfmans an Vivendi Universal insgesamt mit knapp 6 % angegeben worden. Die Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune" bezifferte den Charles Bronfman zurechenbaren Vivendi Kapitalanteil nun auf 2,5 %. Damit wäre Charles Bronfman der drittgrößte Einzelaktionär nach Philips (3,5 %) und den übrigen Mitgliedern seiner Familie (knapp 3,5 %). Diese stehen offensichtlich weiter hinter Edgar Bronfman jr., der vor zwei Jahren mit Vivendi-Vorstandschef Jean-Marie Messier die beiden Unternehmen zusammen geführt hatte.

Charles Bronfman verlangt dagegen, die Finanzen des durch Sonderabschreibungen in Rekordhöhe, außerbilanziellen Engagements von allein knapp 700 Mill. Euro im laufenden Jahr und eine äußerst schwache Marktlage im Mediengeschäft gebeutelten Konzerns schnell durch frisches Geld zu stärken. Wie die "Tribune" berichtet, warb sein Rechtsvertreter Minzberg bei Aktionären deshalb dafür, die Versorgersparte ohne Rücksicht auf den Preis, die Nationalität oder die Identität des Käufers loszuschlagen.

Es ist fraglich, ob es auf der neuen Hauptversammlung im Juni zu einer Klärung der Positionen kommen wird, oder ob es zum Bruch eines Teils der Bronfmans mit Vivendi Universal kommt. Denn eine Dekonsolidierung steht nach Aussage von Konzernchef Messier "derzeit nicht auf der Tagesordnung" - Messier ist damit bei seinen Aufsichtsräten im Wort. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatte vor seiner Wiederwahl erklärt, ein Unternehmen, das einen Großteil des Landes mit Wasser versorge, "darf nicht an irgendjemanden verkauft werden" - schon gar nicht an Ausländer.

Quelle: Handelsblatt

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