Investorengruppe um Acxit Capital Management und Firmenkunden will Industrieversicherer als Ganzes erhalten
Neuer Rückschlag für Gerling

Die Wirren um den Verkauf des angeschlagenen Kölner Gerling-Konzern nehmen kein Ende. Die Verhandlungen mit dem HDI-Konzern gelten nach Informationen aus Finanzkreisen als gescheitert. Dies soll aber nach Informationen des Handelsblatts nicht an die Öffentlichkeit dringen, da sonst eine weitere Herabstufung durch die Ratingagenturen befürchtet wird und sich damit der Druck auf Gerling erhöhen würde.

DÜSSELDORF. Gleichzeitig rückt offenbar das Konsortium A3 unter Führung der Frankfurter Investmentfirma Acxit Capital Management stärker in den Blickpunkt. A3 hat gut 800 Mill. Euro eingesammelt, um sich über eine gleich hohe Kapitalerhöhung an der Gerling-Holding zu beteiligen. Das geht aus Schriftverkehr hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Das Geld soll überwiegend von amerikanischen Investoren stammen. A3 soll zurzeit eine intensive Unternehmensprüfung (Due dilligence) vornehmen. "Vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche" war Acxit jedoch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Deutsche Bank hält sich ebenfalls bedeckt. Ein Gerling-Sprecher sagte nur: "Wir sind weiter in aktiven Verhandlungen mit dem HDI." Beim HDI war niemand zu einer Stellungnahme erreichbar.

Am Mittwoch haben sich nach Informationen des Handelsblatts erneut die Unterhändler von Gerling und Deutsche Bank getroffen, die dingend versuchen, den in Finanznöte geratenen Versicherer zu verkaufen. Die Bank ist mit 34,5 % und Gründerenkel Rolf Gerling mit 64,5 % an Deutschlands zweitgrößtem Industrieversicherer beteiligt.

Bei der Deutschen Bank favorisieren Informationen zufolge die Investmentbanker das A3-Angebot, weil es die einzig komplette Offerte sei, die auch die Gerling- Rückversicherungsgruppe mit einbeziehe. Der Rückversicherer hat die Schieflage bei Gerling ausgelöst und stellt derzeit seine Geschäfte ein. Es gibt jedoch noch Streit zwischen der Gerling-Gruppe und den Rück-Kunden wegen der Altlasten-Haftung.

Das Acxit-Angebot wird dem Vernehmen nach auch von der Industriekundschaft unterstützt. Sie hat großes Interesse daran, dass ihr Versicherungspartner eigenständig bleibt. Eine eigene Rettungsaktion der Industrie gilt indes als gescheitert. Gerling genießt als zweitgrößter deutscher Industrieversicherer nach der Allianz einen sehr guten Ruf. Hinzu kommt, dass der Industrieversicherungsmarkt derzeit angespannt ist. Die Firmen haben Not, Deckung für ihre Risiken zu bekommen.

Seit Monaten wird spekuliert, dass Gerling in großen Teilen an den Versicherungsverein HDI geht. Auch hier ist eine Investition in der Größenordnung von 1 Mrd. Euro im Gespräch, allerdings nur in Form eines Aktientausches mit den HDI-Gesellschaften Talanx und Hannover Rück. Die Deutsche Bank würde also im Endeffekt ihre Gerling-Beteiligung gegen eine am HDI eintauschen. Als Grund für den Verhandlungsrückschlag nennen Insider Solvabiliätsprobleme im Falle einer HDI/Gerling-Fusion.

Von der HDI-Lösung soll weder das Management noch die Kundschaft begeistert sein. Sie befürchten, dann würde Gerling im HDI aufgehen ohne das bestehende Vertragsvolumen halten zu können. Kunden wissen, dass eins plus eins in dieser Branche weniger als zwei ergibt und somit durch eine Fusion Kapazität verloren ginge. Die Zeit drängt die Gerling-Aktionäre. Mit jedem Tag droht Geschäft zur Konkurrenz abzuwandern. HDI könnte als Wettbewerber neben der Allianz also trotzdem profitieren.

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