Investors Corner
Der Gesamtpreis aller Bausteine

Zertifikate haben den Vorteil, dass im Gegensatz zu den meisten Fonds nicht nur ein Kurs am Tag gestellt wird, sondern Anleger die Produkte fortlaufend handeln können. Das bereitet Anlegern während der Laufzeit häufig Probleme: Warum fällt der Kurs, wenn doch die Aktie steigt? Warum verliert das Zertifikat keinen Wert, obwohl doch die Kursentwicklung negativ sein müsste?

Das Thema Zertifikate ist aus dem täglichen Börsengeschehen nicht mehr wegzudenken. Anleger schätzen an ihnen die Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten: Sie können von steigenden Kursen ebenso profitieren wie von stagnierenden oder fallenden. Daneben haben Zertifikate den Vorteil, dass im Gegensatz zu den meisten Fonds nicht nur ein Kurs am Tag gestellt wird, sondern Anleger von 8 bis 22 Uhr die Produkte fortlaufend handeln können. Viele Produkte sind daneben durch ein vollkommen transparentes Auszahlungsprofil gekennzeichnet: Bei der Emission der Zertifikate steht bereits der auszuzahlende Betrag bei Fälligkeit fest. Was für Anleger am Laufzeitende sehr einfach ist, bereitet während der Laufzeit häufig Probleme: Warum fällt der Kurs, wenn doch die Aktie steigt? Warum verliert das Zertifikat keinen Wert, obwohl doch die Kursentwicklung negativ sein müsste?

Zertifikate bestehen im Allgemeinen aus mehreren Bestandteilen. Einen der Bestandteile kennen Investoren noch aus der Zeit vor den Zertifikaten: Die Aktie. Je nach Art des Zertifikates kommen nun verschiedene Optionen dazu. Eine der häufigsten verwendeten Optionen sind jene, welche auch an der Eurex gehandelt werden. Diese können entweder gekauft oder verkauft werden.

Während der Laufzeit spiegelt jedes Zertifikat den Wert seiner Bestandteile wieder. Diese Bestandteile werden jeweils zwischen 8 und 22 Uhr bewertet. Der Preis des Zertifikates ist damit die Summe aller seiner Bestandteile. Genug der Theorie: Betrachtet man nun ein Diskont-Zertifikat, so besteht dieses aus zwei Bestandteilen: Dem direkte Kauf der Aktie sowie dem Verkauf einer Option, genauer gesagt einer Call-Option. Per Fälligkeit ist das Auszahlungsprofil leicht nachvollziehbar: Notiert die Aktie am Laufzeitende über dem Höchstbetrag, erhält der Anleger diesen gutgeschrieben, notiert die Aktie unter dem Höchstbetrag, so erhält der Anleger die Aktie zu ihrem dann gültigen Wert.

Während der Laufzeit unterliegt das Diskont-Zertifikat jedoch einigen Schwankungen. Die "Bausteine" reagieren dabei ganz unterschiedlich auf Veränderungen des Basiswertes: Steigt die Aktie, so wirkt sich das zunächst einmal positiv auf den Baustein "Aktie" aus. Auf der anderen Seite gewinnt auch die Call-Option an Wert, da sie auf steigende Kurse setzt. Für den Kurs des Diskont-Zertifikates wirkt sich dies jedoch trotzdem negativ aus: Die Option wurde verkauft und müsste nun teurer zurückgekauft werden. Dieser Verlust wirkt sich negativ auf den Wert des Diskonts aus. In der Summe kann sich der Anleger jedoch entspannt zurücklehnen: Der größere Effekt ist der Gewinn des Aktienbausteins, so dass für den Investor in der Summe Gewinne anfallen.

Es gibt jedoch noch zwei weitere Szenarien: Der Kurs der Aktie stagniert oder der Kurs fällt. Betrachten wir zunächst das erste Szenario: Der Kurs stagniert. Der Wert des ersten Bausteines Aktie verändert sich also nicht. Dennoch macht der Anleger Gewinn. Denn der Wert der verkauften Option fällt, da sich der sogenannte Zeitwert verringert. Jeder, der schon einmal Optionsscheine besessen hat, kennt diesen Effekt leidlich. In diesem Fall ist er hingegen positiv für den Anleger, denn er ist der Verkäufer der Option: Der Wert der Option fällt, die Option könnte billiger zurückgekauft werden und der Wert des Diskonts steigt, d.h. die Zeit spielt diesmal für den Anleger.

Im zweiten Szenario fällt der Kurs der Aktie. Negativ für den Baustein Aktie, positiv für den Baustein Option. In der Summe wird der Anleger hier dennoch Geld verlieren, da der Wertrückgang des Aktienbausteins die Wertsteigerung der Option kompensiert.

Es existieren jedoch nicht nur Diskont-Zertifikate. Eine Vielzahl von verschiedenen Produkten mit verschiedenen Bausteinen sind am Zertifikate-Markt erhältich. Am Ende des ersten Halbjahres waren es mehr als 14.000 verschiedene Produkte - eine große Aufgabe für die Emittenten. Denn ein Produkt heißt nicht immer ein Preis, sondern der Gesamtpreis aller Bausteine.

Steffen Scheuble ist Zertifikate-Experte der Deutschen Bank (Global Equity Derivatives / Structured & Investment Products)

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