Investors Corner
Fälligkeit – und nun?

Der Tag der Endfälligkeit - für Zertifikate-Investoren ein Tag der Ernte. Nun heißt es: Warten aufs Geld. Doch was passiert zwischen Fälligkeit und Gutschrift?

Der erste Schritt ist der einfachste: Am Ende der Laufzeit gilt es festzustellen, welcher Betrag dem Anleger überhaupt zusteht. Dazu wird der Schlusskurs ermittelt, der für die Abrechnung entscheidend ist. Ein Diskont-Zertifikat mit CAP 3.900 auf den DAX sieht beispielsweise am Freitag, 9. Juli, sein Ende. Steht der DAX bei 4.000 Punkten, hätte das Zertifikat einen Wert von genau 39 Euro. Dieser Betrag wird von der Wertpapierabwicklung der Emissionsbank veröffentlicht. Diese Veröffentlichung wird im Regelfall am Börsentag nach der Fälligkeit im Internet publiziert. In obigem Fall also am Montag, 12. Juli, 2004. Der Wert ist auch der Rückzahlungsbetrag.

Doch noch hat der Anleger sein Geld nicht. Zunächst kommt eine wichtige Stelle im gesamten Prozess ins Spiel: Die Clearstream Banking AG Frankfurt (CBF). Sie verwaltet den größten Teil der Wertpapiere, die von deutschen Banken gehalten werden. Die CBF nimmt dabei viele Aufgaben wahr: Bei Käufen und Verkäufen von Wertpapieren werden diese direkt einer Bank zugeordnet, bei Aktiensplits werden weitere Wertpapiere eingebucht oder eben, wie bei Derivaten, Zahlungen an die verschiedenen Banken veranlasst.

Nach der Übermittlung gibt es zwei Aufgaben, die von der CBF bewältigt werden müssen: Die Gutschriften müssen veranlasst und das Geld muss "besorgt" werden. Je nach Anzahl der ausstehenden Zertifikate wird der Betrag, der zu tilgen ist, der Emissionsbank von Clearstream belastet. Hat die Bank von dem erwähnten Zertifikat beispielsweise 50.000 Stück verkauft, so werden ihr danach 1,950.000 Millionen Euro (50.000 x 39 Euro) belastet, die den Kunden der Banken gutgeschrieben werden sollen.

Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland eine Vielzahl depotführender Banken, angefangen bei den klassischen Filialbanken über Sparkassen bis hin zu den Direktbanken. Clearstream ermittelt nun die Menge an ausstehenden Zertifikaten und gruppiert diese nach Banken. So wird zum Beispiel ermittelt, dass von maxblue am Endfälligkeitstag 10.000 Zertifikate in den Kundendepots gehalten wurden. Wichtig: Clearstream weiß dabei lediglich, wie viele Zertifikate in den Depots einer Bank insgesamt ausstehen, nicht jedoch, in welchem speziellen Kundendepot und in welcher Menge.

maxblue erhält nun 390.000 Euro gutgeschrieben, und die Zertifikate werden aus dem Bestand der Bank bei CBF ausgebucht. Jetzt ist es an der jeweiligen Bank, das Geld auf den Konten ihrer Kunden gutzuschreiben. Da die Banken, die die Depots und Konten führen, die einzigen Parteien sind, die den Kundenbestand in einem bestimmten Depot kennen, ist es ihre Aufgabe, die Gelder korrekt auf die Konten zu verteilen.

Im Regelfall dauert dieser gesamte Prozess drei bis fünf Tage - von Fälligkeit bis Gutschrift.

Schaubild: Clearstream Banking

(Florian Brechtel: Deutsche Bank Global Equity Derivates, Structured & Investment Products)

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