Investor's Corner
Strukturierte Produkte wie vom Fließband

Immer neue Produkte. Immer neue Basiswerte. Immer neue Laufzeiten. Die Vielfalt des Derivatemarktes nimmt unaufhörlich zu und von Manchem wird dies als Belastung empfunden, weil eine Auswahl immer schwerer fällt. Die Emittenten selbst tragen mit ihrer Emissionspolitik zu einem immer größeren Universum handelbarer Produkte bei. Doch der Schein trügt ...

Es stimmt zwar grundsätzlich, dass der Derivatemarkt und damit auch das Produktuniversum wächst und inzwischen über 48 000 an der Börse Stuttgart gelistete Produkte umfasst (Stand: 31. August 2004). Wer aber richtig hinschaut, der kann die scheinbare Unübersichtlichkeit sehr leicht entflechten und aus den für ihn geeigneten Wertpapieren wählen. Denn nur ein Drittel der strukturierten Produkte zählt zu den Anlagezertifikaten und Aktienanleihen, die beispielsweise für Anleger mit einer konservativeren Einstellung in Frage kommen. Investoren können sogar noch mehr Licht ins scheinbare Dunkel bringen.

Ein Beispiel: Sollten Anleger auf der Suche nach defensiven Dax-Discountzertifikaten sein (Festbetrag notiert auf Höhe oder unterhalb des aktuellen Standes des Index, auf den sich das Zertifikat bezieht), so lassen sich mit der üblichen Laufzeit (12-24 Monate) zur Zeit gerade einmal 254 Discountzertifikate unterschiedlicher Emittenten aufrufen (Quelle: »www.boerse-stuttgart.de). Für andere relevante Leitindizes wie den Dow Jones Euro Stoxx 50SM (187 Discountzertifikate), den S&P 500 (24 Discountzertifikate) oder den Nikkei 225 (6 Discountzertifikate) ist die Auswahl sogar noch wesentlich übersichtlicher. Der Eindruck einer Unübersichtlichkeit gilt also nur auf den ersten Blick. Gerade bei der eigenen Geldanlage kommt aber unseres Erachtens auf den berühmten zweiten Blick an.

Grundsätzlich lassen sich drei Säulen im Rahmen der Emissionspolitik von Optionsscheinen und Zertifikaten klassifizieren. Einerseits möchten Anleger aus einer möglichst großen Auswahl an Basiswerten wählen können; das macht vor dem Hintergrund Sinn, als dass Anlagezertifikate im Rahmen eines ausgewogenen Portfolios nicht nur einzelne Basiswerte wie z. B. den Dax darstellen sollen. Viele Anleger wünschen sich bereits heute Zertifikate auf möglichst viele internationale Aktienindizes. Mit Hilfe dieser Zertifikate können dann die maßgeblichen Indizes z. B. in Euroland, USA, Japan und anderen Staaten abgebildet werden. Aber auch Zertifikate auf andere Anlageklassen bzw. Basiswerte wie z. B. Rohstoffe, Edelmetalle, Währungen, Zinsterminkontrakte oder Immobilien könnten das Ziel mancher an Diversifikation interessierter Anleger sein.

An dieser strategischen Ausgestaltung - die Erweiterung des Derivateangebotes um weitere Basiswerte - arbeiten die Derivatehändler bei HSBC Trinkaus & Burkhardt kontinuierlich und mit großem Erfolg. So erweiterte HSBC Trinkaus & Burkhardt jüngst sein Angebot an Power-Optionsscheinen um die Währungsrelation zwischen Euro und Yen. Der japanische Aktienindex Nikkei 225 wurde beispielsweise mit währungsabgesicherten Discountzertifikaten ins Repertoire aufgenommen. Spezielle Angebote wie z. B. Optionsscheine auf den Nebenwerteindex MDax sind möglich, wie eine Emission von HSBC Trinkaus & Burkhardt Anfang September gezeigt hat.

Die Emissionspolitik von strukturierten Produkten ruht aber noch auf einer zweiten und einer dritten Säule. Die zweite Säule beschäftigt die Kreativen in den Emissionsbanken, die Produktentwickler. Sie suchen nach neuen Lösungen für bestehende und neue Investmentbedürfnisse privater und institutioneller Anleger. Damit kommt ihnen eine eher taktische Aufgabe zu. Sie kreieren neue derivative Strukturen - häufig in Form von Zertifikaten -, mit dem Ziel, dass die Marktteilnehmer die Innovation mit vielen Umsätzen honorieren. Sehr gute börsliche und außerbörsliche Umsätze können weiterhin einen für Anleger positiven Effekt mit sich bringen: Die Emittenten widmen sich der zweiten Säule der Emissionspolitik immer dann besonders intensiv, wenn die Umsätze den "handwerklichen" Aufwand auch rechtfertigen. Insofern entscheiden die Marktteilnehmer durch ihre Handelsaktivitäten in bewährter basisdemokratischer Manier, ob eine Neu- oder Weiterentwicklung eines strukturierten Wertpapiers ein Erfolg wird und dauerhaft Bestand hat oder nicht.

In der dritten Säule kommt es neben den Basiswerten selbst, die zunächst den Grundstein für die Auswahl der Anleger legen, auf die Charakteristik der begebenen Wertpapiere an. Ein Beispiel verdeutlicht das: Ein Optionsschein auf den Dax besitzt eine bestimmte Laufzeit. Ist das Laufzeitende abzusehen oder möchten Anleger aus unterschiedlich langen Laufzeiten wählen, ist es notwendig, weitere Dax-Optionsscheine mit neuen oder unterschiedlichen Laufzeiten anzubieten. Zusätzlich dazu müssen auch unterschiedliche Basiskurse erhältlich sein, da sich mit ihnen Hebel und Risiko eines Optionsscheins verändert. In dieser zweiten Säule geht es also weniger um die strategische Frage, welche Anlageklassen investierbar gemacht werden, sondern um die ständige Aktualisierung des Produktangebotes. Dieser Teil der Emissionsarbeit könnte als operative Komponente der Emissionspolitik bezeichnet werden.

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