IOC schließt Russin von den Olympischen Spielen aus
Kugelstoßen: Korschanenko verliert Gold

Der Rauswurf der gedopten russischen Kugelstoß-Olympiasiegerin Irina Korschanenko von den Athen-Spielen löste bei Nadine Kleinert verhaltene Freude aus. "Natürlich ist das super, aber es schadet unserer Disziplin", sagte die 28-jährige Magdeburgerin, die durch den aufgedeckten Betrug auf den Silber-Rang vorrückte.

HB ATHEN. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Montag mitteilte, wurde Korschanenko nach dem Medaillenkampf am 18. August im antiken Olympia mit dem anabolen Stereoid Stanozolol ertappt. Damit war bereits 1988 in Seoul der kanadische Sprinter Ben Johnson in die olympische Doping-Falle gelaufen.

"Es ist ein besonders schlimmer Fall, weil der Wettkampf an so einem symbolträchtigen Ort stattgefunden hat", schimpfte IOC - Vizepräsident Thomas Bach. Wiedersehen wird man die Wiederholungstäterin aus Russland nicht mehr: Nach ihrem ersten Doping-Vergehen 1999 ist eine lebenslange Sperre fällig. Für Kleinert ist das unrühmliche "Nachrück-Verfahren" nichts neues: Bereits bei der Hallen-WM im März in Budapest kam sie nachträglich zur Bronzemedaille, weil die Weltmeisterin Wita Pawlitsch (Ukraine) gedopt an den Start ging. Neue Olympiasiegerin ist nach dem Ausschluss von Korschanenko, die nicht einmal mehr zur Anhörung vor der IOC-Disziplinarkommission erschien, die Kubanerin Yumileidi Cumba. Bronze erhält die Russin Swetlana Kriweljowa.

"Dieser Fall übertrifft alles da gewesene an Unverfrorenheit. Ich empfinde Wut und Ärger", sagte Helmut Digel, Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Mit großer Skepsis blickt er auf die neue Medaillen-Rangfolge. "Das Nachrücken birgt auch ein Problem in sich, wenn man auf Platz drei schaut. Ich hoffe, die Russin ist ebenfalls kontrolliert worden", so Digel. Der erste Ausschluss eines Olympiasiegers bei den Athen-Spielen - 2000 in Sydney waren es mit Isabela Dragnewa (Gewichtheben) und Andrea Raducan (Turnen) zwei - sei zwar ein Schock für die IAAF, aber heilsam für den Sport. "Mit jedem aufgedeckten Betrug stabilisiert man die Spiele."

Ein ähnlich forsches Vorgehen wünscht sich der Tübinger Sportsoziologe von der IAAF im Doping-Skandal um die griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou. "Ich hoffe, dass wir ähnlich konsequent vorgehen", sagte Digel vor der Exekutivkomitee- Sitzung am Donnerstag in Athen. Wie IAAF-Sprecher Nick Davies mitteilte, soll eine Untersuchungskommission zur Klärung des Falls eingesetzt werden. Dabei gilt es, den beiden Athleten nachzuweisen, ob sie drei Mal binnen 18 Monaten einen Doping-Test versäumt haben, was eine zweijährige Sperre zur Folge hätte. Bislang gilt nur eine "No Show" am 28. Juli in Tel Aviv als erwiesen. Für die beiden weiteren Verfehlungen in Chicago und Athen gibt es noch keine Berichte von der Welt-Antidoping-Agentur (WADA).

Für den Leistungssportchef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Rüdiger Nickel, ist der Doping-K.o. von Korschanenko ein Signal für eine besonders belastete Disziplin. "Das ist ein erfreuliches Zeichen." Erstaunt zeigte er sich darüber, dass die vorgenommenen Doping-Ausreisekontrollen, die das russische Nationale Olympische Komitee (NOK) vorgenommen hatte, in diesem Fall nicht funktionierten. "Das ist wohl auf den Fortschritt der Messmethoden der Analytiker zurückzuführen", sagte Nickel.

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