IP-Technik ist Schwerpunkt der Messe in Genf
Internet-Telefonie bedroht Telekomfirmen

Die Prognose hat es in sich: Analysten von UBS sehen die Telekommunikationswelt vor einem radikalen Umbruch auf Grund der zunehmenden Verbreitung von InternetTelefonie. "Voice over IP", wie die Technik genannt wird, sei eine fundamentale Bedrohung der etablierten Telekomkonzerne. Sie habe das Potenzial, hohe Wellen zu schlagen, heißt es in einer UBS-Studie.

HB DÜSSELDORF. Marktforscher von Dell?Oro liefern die Zahlen für die ersten Ansätze, dass der junge Markt auf Touren kommt: 2003 würden sich die Firmenausgaben für IP-Telefonsysteme mehr als verdoppeln, obwohl die Gesamtinvestitionen in Telekommunikationstechnik zurückgingen.

Neue Lösungen für das Telefonieren über das Internet sind ein Schwerpunktthema auf der Fachmesse Telecom World der Vereinigung International Telecommunication Union (ITU) in Genf, die am Wochenende begonnen hat.

Noch steckt der Markt für IP-Telefonie in den Kinderschuhen. Weniger als 3 % aller Telefongespräche weltweit werden über das Internet geführt, schätzen Analysten. Doch sie sagen dem Markt enorme Wachstumsraten voraus. Die Umsätze der Ausrüster für Internet-Telefonie werden demnach bis 2007 durchschnittlich um 45 % pro Jahr zunehmen.

Bei IP-Telefonie wird Sprache in Bits und Bytes zerlegt, in Datenpakete verpackt und über dasselbe Netz geschickt wie alle anderen Daten. Beim Empfänger wird sie per Software wieder in Sprache verwandelt. Unternehmen brauchen daher künftig nur noch ein Netz - bisher mussten sie separate Netze für Daten und Telefonie unterhalten.

Die Folge der neuen Technik: niedrigere Kosten für den Nutzer, argumentierten die Ausrüster. Und die etablierten Telekomkonzerne haben künftig niedrigere Umsätze durch Telefongespräche, sagen Analysten von UBS voraus. Der Grund: Bisher werden Telefonate nach Minuten abgerechnet. Bei IP-Telefonie werden Pauschalen in Rechnung gestellt, oder dieser Dienst wird kostenlos als Zusatz angeboten, wenn Geschäftskunden beispielsweise schnelle Internetzugänge bei ihrem Telekommunikationsanbieter bestellen. Damit ist das traditionelle Geschäftsmodell der etablierten Telekomkonzerne in Frage gestellt, sagen UBS-Experten. Am stärksten bedroht seien Länder wie Japan und die USA.

In diesen Ländern ist das Telefonieren über das Internet bisher auch am weitesten verbreitet. Vor allem in Japan hat die Technik einen Preiskampf ausgelöst. Mehr als 10 % der Haushalte dort nutzen sie.

Erstmals ist IP-Telefonie Mitte der 90er Jahre vorgestellt worden. Doch sie hielt nicht das, was die Hersteller versprochen hatten. Die Unternehmen haben daher IP-Telefonanlagen lange Zeit wie sauer Bier angeboten. "Das Blatt hat sich gewendet, langsam zieht die Nachfrage an - auch in Europa", sagt Don Smith, Chef von Mitel Networks, eines kanadischen Anbieters von Lösungen für IP-Telefonie, dem Handelsblatt. Mitel hat daher seine Position in Europa ausgebaut, um den führenden Ausrüstern dieser Technik wie Cisco, Nortel und Avaya Konkurrenz zu machen.

Die Kinderkrankheiten der Technik gelten als kuriert. Und ein weiterer Faktor wird nach Ansicht von Experten IP-Telefonie vorantreiben: die zunehmende Verbreitung von schnellen Internetzugängen. Diese erleichtern das Telefonieren über das Internet. Nach Angaben der ITU ist die Zahl der Nutzer von schnellen Internetzugängen, wie sie beispielsweise DSL möglich macht, im vergangenen Jahr auf 63 Millionen gestiegen - ein Plus von 72 % gegenüber 2001. Führend ist Südkorea, wo 21 % der Menschen einen Internet-Turbo nutzen, gefolgt von Hongkong und Kanada.

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