IPO-Ausblick 2001
Analysten erwarten positiven Strukturwandel

Aktienexperten erwarten für das kommende Jahr einen "positiven strukturellen Wandel" bei Neuemissionen.

vwd FRANKFURT. Das Neuemissionsjahr 2000 begann euphorisch und endete auf dem harten Boden der Realität. Anleger sind vorsichtiger geworden, Zeichnungsgewinne sind mehr die Ausnahme als die Regel. "Die Börsenbäume wachsen eben doch nicht in den Himmel", lautet der Kommentar eines Händlers. Der Kursrutsch am Neuen Markt drückte die Stimmung auch bei den Neuemissionen. Investoren zeichneten nur zögerlich, so dass einige Unternehmen versuchten, die Anleger mit Preisnachlässen zu ködern. Manche Kandidaten warfen gleich das Handtuch und verschoben ihr IPO auf unbestimmte Zeit. "Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen", konstatiert Heiko Bienek, Head of Research bei Independent Research.

Der Aktienexperte erwartet für das kommende Jahr einen "positiven strukturellen Wandel" bei den Neuemissionen. Im ersten Halbjahr 2001 werde die Zahl der Börsengänge jedoch deutlich geringer ausfallen als im ersten Halbjahr 2000. Nach Ansicht Bieneks werden nur noch die Unternehmen an den Markt kommen, die auch wirklich kritisch durchleuchtet wurden. Die Qualtität der IPO-Kandidaten werde sich auf jeden Fall verbessern müssen, denn die Banken könnten sich weitere Flops nicht mehr leisten.

"Neuer Markt noch nicht tot"

"Informierte Anleger werden dabei bleiben", ist sich Bienek sicher. Wer sich die Mühe gemacht habe, hinter die Fassaden zu schauen und zu vergleichen, habe bereits im laufenden Jahr Kursgewinne realisieren können. Zwischen den einzelnen Unternehmen gebe es sehr große Unterschiede in der Erfüllung ihrer Planzahlen. "Unternehmen, die ihre Prognosen nicht einhalten können, werden es mittelfristig extrem schwer haben", betont der Analyst. Auf jeden Fall sei der Neue Markt nicht tot. Momentan finde nur eine Übertreibung nach unten statt, und diese sei ebenso falsch wie die im ersten Quartal 2000 stattgefundene Übertreibung nach oben.

Auch Markus Straub, stellvertretender Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) erwartet für 2001 wieder genügend Börsengänge. "Der nächste Emissionsboom kommt bestimmt", so Straub. Zwar gebe es derzeit einen Käuferstreik, aber wenn der Markt wieder nach oben drehe, werden einige Anleger erneut "ihr Recht auf Zuteilung geltend machen wollen".

Rückbesinnung auf die Old Economy

Etwas skeptischer zeigt sich Norbert Empting, Händler der Börsenmakler Schnigge AG. Die Bereinigungsphase habe erst begonnen, und für viele Privatinvestoren werde der Neue Markt für lange Zeit keine Anlageoption mehr sein, befürchtet er. Dies werde sich auch auf die Neuemissionen auswirken. Möglich sei auch eine Rückbesinnung auf die Old Economy. Viele der Börsenkandidaten hätten ganz einfach keine Substanz und hätten zudem versucht, die Anleger auf das Glatteis zu führen. "Auf jeden Fall müssen die Konsortialbanken ihre Messlatte deutlich höher legen", betont der Händler. Auch der Neue Markt sollte sich strengere Regularien überlegen. "Ohne grundlegende Änderungen, könnte es sonst weiter gehen wie bisher."



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