IPO-Kolumne
Der Mann am Stampfer

Es sind Typen wie Georg Sick, die bei einem Börsengang für Glaubwürdigkeit stehen. Das ist in einer Branche wie der Baumaschinen-Industrie umso wichtiger, weil sich jeder Investor in etwa vorstellen kann wie ein Radlader oder eine Rüttelplatte funktioniert. Sick will Wacker Construction beim zweiten Versuch an die Börse bringen.

Stellt sich ein Börsenkandidat Analysten, Investoren und Presse vor, dann spricht dort meist Firmenchef über Umsatz, Gewinn und den geschäftlichen Erfolg der letzten Jahre. Dabei ist dem Chef leider allzu oft auch anzumerken, dass er sich auf diesem Terrain eigentlich wohler fühlt als bei den eigentlichen Produkten, die sein Unternehmen fertigt. Doch sein berufliche Vorgeschichte bei einer internationalen Unternehmensberatung oder einem branchenfremden Unternehmen lässt häufig nichts anderes zu.

Anders bei Georg Sick. Dem Chef des Baumaschinen-Herstellers Wacker Construction und gelernte Diplom-Ingenieur, der sich heute in Frankfurt präsentierte, leuchteten die Augen, als er noch vor jeder Zahl von den Vorzügen eines in seinem Haus hergestellten elektronisch betriebenen Aufbruchhammers im Vergleich zu einem herkömmlichen Presslufthammer dozierte. Oder der als Feldstudie an so genannten "Aufbruchlöchern", das sind kleine Baumaßnahmen im Erdreich, zählt, wie viele Wacker-Maschinen dort gerade eingesetzt werden. "So neun bis elf kommen da manchmal schon zusammen", so sein Resümee für eine Zahl, die ihn zufrieden stellt. Immerhin gibt es im Jahr in einer Stadt wie München rund 5 000 solcher Löcher.

Es sind Typen wie Sick, die bei einem Börsengang für Glaubwürdigkeit stehen und damit einen besonderen Typ von Managern darstellen. Das ist in einer Branche wie der Baumaschinen-Industrie umso wichtiger, weil sich jeder Investor in etwa vorstellen kann wie ein Radlader, ein Stampfer oder eine Rüttelplatte funktioniert. Da in einfachen Worten zu vermitteln, wo beispielsweise Vor- und Nachteile verschiedener Lenkungssysteme beim Radlader liegen und warum gerade das eigene beim Kunden so gut ankommt, bringt Punkte bei den Investoren. Genau wie es beim Kunden kürzlich auf der weltgrößten Baumaschinenmesse "Bauma" Pluspunkte gebracht hat, die mit einem für Wacker nie da gewesenen Auftragseingang geendet hat.



Ob die Wacker-Aktie auch für den Anleger ein Plus bringt, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Eine Preisspanne soll es erst am kommenden Dienstag geben. Dann wird auch die genaue Zahl der Aktien genannt, die ausgegeben werden sollen. Bisher gibt es dazu nur die "bis-zu-Spanne" von 18,4 Mill. Stücken. Eines dürfen sich die Investoren hingegen schon gewiss sein: So günstig wie im vergangenen Sommer, als wegen des schlechten Börsenklimas die Nachfrage nach Wacker-Aktien gering war und der Börsengang deswegen abgebrochen wurde, werden sie die Papiere nicht mehr bekommen. Schließlich ist das Börsen- und auch das Bauklima inzwischen ein ganz anderes als damals. Zudem hat Wacker das Jahr 2006 genutzt, um von der Betontechnik über die Bodenverdichtung bis zur Aufbruchtechnik 57 neue Produkte am Markt einzuführen und deren Gesamtzahl damit auf 250 zu steigern. Vorstandschef Sick könnte sich zu jedem einzelnen eine Geschichte erzählen.

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