IPO-Konjunktur im Aufwind
Citigroup testet Klima für Börsengänge

Der seit Monaten ruhende Markt für Börsengänge zeigt in New York und London erste Anzeichen einer Erholung. An der Wall Street stehen diese Woche zwei prominente "Initial Public Offering" (IPO) an: Alcon und Travelers. In London gilt nächste Woche der Börsengang des Minenbetreibers Xstrata als wichtiger Testlauf.

LONDON/NEW YORK. Investmentbanker dies- und jenseits des Atlantiks atmen auf. Der Finanzkonzern Citigroup will Aktien seiner Versicherungstochter Travelers Property Casualty Corp. am Donnerstag für mehr als 3 Mrd. $ an die Börse bringen. Einen Tag zuvor will der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle SA seine Augenpflege-Tochter Alcon Inc. für mehr als 2 Mrd. $ an der New York Stock Exchange platzieren. Bisher haben Börsengänge nach Informationen des New Yorker Finanzdienstes IPO Group in diesem Jahr erst 2,9 Mrd. eingebracht, verglichen mit 4,5 Mrd. $ zum gleichen Zeitpunkt in 2001. Doch das könnte sich diese Woche mit den beiden großen Börsengängen ändern.

Travelers, die Citigroup-Chef Sandy Weill erst vor vier Jahren gekauft hat, bringt 210 Mill. Aktien - ein Fünftel des Kapitals - zu einem Preis von 16 bis 19 $ an den Markt. Mit schätzungsweise 3,7 Mrd. $ wäre es einer der zehn größten Börsengänge überhaupt. Außerdem will Travelers Wandelanleihen für 800 Mill. $ platzieren. Der Travelers-Börsengang wird federführend von Salomon Smith Barney betreut.

Nestlé bringt Tochter an den Markt

Alcon, einer der führenden Augenpflege-Hersteller, wird mit seinen 69,8 Mill. Aktien zu einem Preis von je 31 bis 35 $ voraussichtlich 2,3 Mrd. $ aufnehmen können. Damit bringt Nestle 23 % der Alcon-Anteile an den Markt. Die Konsortialbanken des Börsengangs der Nestle-Tochter sind Credit Suisse First Boston und Merrill Lynch. Die Summe soll zum Schuldenabbau und zur Finanzierung von Akquisitionen verwendet werden, teilte der Nahrungsmittelkonzern mit. Analysten rechnen damit, dass Nestle mit dem Geld teilweise den Kauf des US-Tierfutterherstellers Ralston Purina finanzieren wird. Außerdem benötige Nestle Kapital, um die auf 800 Mill. Euro geschätzte Übernahme des Speiseeisherstellers Schoeller AG zu bezahlen.

Marc Baum, Chef des Finanzdienstes IPO Group Inc., ist optimistisch, was kommende Börsengänge angeht: "Der IPO-Markt braucht einen starken Aktienmarkt und eine gesunde Wirtschaft, um erfolgreich zu sein", sagt Baum, "Investoren sind wieder zuversichtlicher, wie sich der Markt entwickelt". "Es scheint mehr Optimismus zu geben", sagte auch Paul Bard, ein Analyst von IPO Plus Aftermarket Fund aus Greenwich, gegenüber dem Wall Street Journal.

Grund zur Hoffnung gibt auch die Zahl der geplanten Börsengänge: Vergangene Woche haben acht Unternehmen bei der Securities and Exchange Commission (SEC), der US-Börsenaufsicht, ihre Anträge für den Börsengang eingereicht. Damit sind nach Angaben des Finanzdienstleisters Thomson Financial dieses Jahr insgesamt 34 Anträge eingegangen. Zum Vergleich: 2001 waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 27. Und sogar kleine Fluggesellschaften sind unter den Unternehmen, die einen Börsengang planen. "Hätte irgendwer gedacht, dass wir sechs Monate nach dem 11. September einen Airline-IPO sehen?", fragt Baum.

Außerdem plant General Electric (GE), seine Rückversicherungstochter Employers Reinsurance abzuspalten und 20 % an die Börse zu bringen. Die GE-Tochter könnte insgesamt mit 8 bis 10 Mrd. $ bewertet werden.

Auch Londoner Hoffnungen wachsen

Auch an der Londoner Börse wächst die Zuversicht, dass die Flaute bei Neuemissionen bald vorbei sein dürfte. Zwar haben einige Firmen - etwa der Billig-Autovermieter Easycar oder der Reiseverkaufskanal TV Travel Shop - die ursprünglich für dieses Jahr anvisierten Börsenpläne erst einmal auf Eis gelegt. Doch mehr und mehr britische Unternehmen wollen noch in diesem Jahr den Gang aufs Parkett wagen. Recht konkret sind die Pläne bereits beim britischen Gelbe-Seiten-Anbieter Yell Group sowie bei der Luxus-Modemarke Burberry von Great Universal Stores (GUS). Auch der erst vor einem Jahr von British Airways verkaufte Billigflieger Go Airline will "ab Ende 2002" an die Börse, wie es heißt.

Marktbeobachter in London erwarten ab Sommer eine deutliche Belebung beim IPO-Geschäft. Vor allem in der Freizeit- und Lebensmittelbranche zeichnen sich dabei weitere Börsengänge ab. So werden die Wettfirma William Hill, die Ferienanlagen Center Parcs, die Baumarktkette Homebase, die Kneipen von Punch Pub's sowie die Lebensmittelgruppen Rank Hovis Mc Dougall und United Biscuits als Kandidaten gehandelt.

Wichtig für das Börsenklima sei allerdings, so heißt es in London, dass es bei den nächsten Platzierungen keinen Rückschlag gibt. So wird der für kommende Woche angekündigte Börsengang des Minenbetreibers Xstrata Plc als wichtiger Testlauf gesehen. Das Unternehmen wird auf mindestens 1,5 Mrd.  £ (2,4 Mrd. Euro) bewertet und ist damit der bislang größte Börsengang an der London Stock Exchange (LSE) in diesem Jahr.

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