IPO-Rückblick
Experten erwarten keine Belebung am Neuemissionsmarkt

Mit einer Belebung der Emissionstätigkeit (IPO) von Unternehmen ist nach Ansicht von Händlern und Fondsmanagern aufgrund der schwachen Debüts der jüngsten Börsenneulinge nicht zu rechnen. "Der Neuemissionsmarkt wird bis Ende des Jahres sehr gedämpft sein. Es gibt ein psychologisches Problem bei den Fondsmanagern", sagte Marc Schädler, Fondsmanager bei der Hamburger Nordinvest.

Reuters FRANKFURT. Die Vermögensverwalter wollten derzeit keine weiteren Risiken eingehen. Von den insgesamt 16 Neuemissionen an deutschen Börsensegmenten in diesem Jahr notierten nur fünf oberhalb des Ausgabepreises.

Ulrich Norde, Händler bei der auf den vorbörslichen Handel per Erscheinen spezialisierten Börsenmakler Schnigge AG, sagte, das Umfeld für Neuemissionen werde in den nächsten Wochen nicht gerade einfach werden. Es sei nicht zu erwarten, dass sich Selbstläufer entwickeln werden und einem "die Stücke aus der Hand gerissen werden". Norde fügte hinzu: "Ich wüßte nicht, wo die Nachfrage herkommen soll."

Nach den Papieren des Flughafenbetreibers Fraport sind in dieser Woche auch die Aktien des Medizintechnikunternehmens World of Medicine W.O.M. bereits am Tag der Erstnotiz unter ihren Ausgabepreis gefallen. Die W.O.M.-Aktie gaben am Freitag in einem schwachen Marktumfeld weiter nach und rutschte in der Spitze um mehr als 14 % auf 8,85 Euro, nachdem sie am Mittwoch bereits unter ihrem Emissionspreis von elf Euro eröffnet hatte. Das Fraport-Papier verlor zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent auf 33,51 Euro und tendierte damit deutlich unter dem Ausgabekurs von 35 Euro.

Investoren zurückhaltend bei Zeichnungen

"Jeder hatte anfangs gedacht, Fraport ist eine konservative Aktie, die ein gutes Signal für andere Emissionen sein könnte", sagte Jochen Grossmann, Direktor Equity Capital Markets bei der Commerzbank. Trotz der derzeit guten Bewertung der Börsengangskandidaten, würden sich die Investoren wegen der schwierigen Marktbedingungen bis zum Jahresende zurückhalten, erwartet Grossmann. "Wir werden keinen großen IPO-Auftrieb dieses Jahr sehen. Investoren glauben, dass viele IPO zu teuer sind", sagte er. Tatsächlich seien die meisten Neuemissionen in diesem Jahr aber angemessen bewertet.

Hingegen sagte Schädler, angesichts des schwierigen Marktumfeldes seien die IPOs der vergangen Wochen zu hoch bewertet. "Fraport und World of Medicine wurden beide am oberen Ende (der Preisspanne) ausgegeben. Das war in diesem Marktumfeld zu ambitioniert", sagte der Fondsmanager.

Obwohl institutionelle Investoren auf jeder Menge Bargeldreserven sitzen würden, blieben sie zurückhaltend bei der Zeichnung von Neuemissions-Aktien, sagte Schädler. "Große institutionelle Investoren wie Versicherungen haben das Geld, aber sie ziehen es vor, in große Emissionen zu investieren und nicht in kleinere Unternehmen ohne Leistungsbeweis."

Risikokapitalgeber ohne Geld

Tim Albrecht, Fondsmanager bei der Frankfurter DWS, sagte, während die Nachfrage schwach sei, nehme das Aktienangebot kleinerer Unternehmen mit dem Auslaufen der Haltefristen von Altaktionären zu. "Diese Aktien kommen in den Markt und entziehen ihm Liquidität", sagte Albrecht. "Kleine Unternehmen müssen sich nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umschauen. Aber Risikokapitalgeber haben kein Geld mehr", sagte Grossmann. Viele junge Unternehmen müssten ihr Geschäft verkaufen oder schließen.

Nach Einschätzung von Norde wird noch das "eine oder andere interessante Unternehmen" an den Markt kommen, das Interesse nach Neuemissionen sei aber im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen. Wenn kein Geld für den Nemax ausgegeben werde, werde erst recht keines in IPO investiert, sagte er. Der Gesamtmarkt spiele eine "gravierende Rolle". Gehe er nach unten, sei nicht zu erwarten, dass es bei der Erstnotiz einer Neuemission entgegen gesetzt laufe.

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