IRA gibt Waffen ab
Großbritannien kündigt Truppenabbau in Nordirland an

Nach dem Beginn der Entwaffnung der pro-irischen Untergrundorganisation IRA hat Großbritannien eine Reduzierung seiner Truppen in Nordirland angekündigt. Die 13 500 Mann starke Militärpräsenz in der britischen Provinz könne nun abgebaut werden, sagte Premierminister Tony Blair in London.

Reuters LONDON. Wie viele Sicherheitskräfte abgezogen werden, sagte er jedoch nicht. US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Ankündigung der IRA als "historischen Schritt". Die nordirische Entwaffnungskommission hatte am Dienstag Angaben der IRA bestätigt, wonach diese bereits mit der Entwaffnung begonnen habe. Pro-britsche und pro-irische Gegner des Friedensprozesses kündigten an, ihren Kampf fortzusetzen.

Nach dem Schritt der IRA sei es erforderlich, die Sicherheitssituation in Nordirland weiter zu normalisieren", sagte Blair dem Fernsehsender GMTV. "Es erlaubt uns, Schritte in diese Richtung zu unternehmen, und es erlaubt uns, mit dem politischen Prozess zu beginnen." Zuvor hatte Blair gesagt, die Ankündigung der IRA sei von "fundamentaler Bedeutung für Nordirland...für Großbritannien und für die übrige Welt".

Ein Regierungssprecher kündigte an, dass umgehend vier Beobachtungstürme der Armee, zwei davon im Süden von Armagh, abgebaut würden. Vor allem die demonstrative Präsenz britischer Sicherheitskräfte bei Armagh, einer Hochburg der IRA, war den pro-irischen Nationalisten ein Dorn im Auge.

Die IRA hatte am Dienstag erklärt: "Unsere Motivation ist deutlich. Dieser beispiellose Schritt soll den Friedensprozess sichern und andere von unserer aufrichtigen Absicht überzeugen." Sie machte allerdings keine Angaben, wie viele Waffen sie bereits untauglich gemacht hat. Das Vorgehen stehe jedoch in Einklang mit der Vereinbarung mit den nordirischen Behörden, hieß es. Der Chef der Ulster Unionist Party (UUP), David Trimble, sagte, nach Angaben der Entwaffnungskommission habe die IRA eine große Menge an Waffen bereits zerstört. Ihm sei gesagt worden, die Waffen seien nicht nur mit einer Betondecke überzogen, sondern so bearbeitet worden, dass sie nie wieder benutzt werden könnten.

"Damit hat die IRA einen historischen Schritt getan", sagte Bush am Dienstag in Washington. Er hoffe nun, dass alle paramilitärischen Gruppen in Nordirland auf dieses Ereignis aufbauten und sich um die völlige Entwaffnung bemühten, wie sie im Karfreitagsabkommen von 1998 gefordert werde. In dem Abkommen hatten sich die pro-irischen und pro-britischen Gruppierungen Nordirlands auf eine gemeinsame Provinzregierung verständigt. Weil die IRA sich einer Entwaffnung bislang verweigert hatte, hatten die pro-britischen Vertreter die Regierung jedoch verlassen. Trimble, kündigte an, seiner Partei auf einem Sondertreffen am Samstag eine Rückkehr in die Regionalregierung nahe zu legen.

Politische Experten haben Skepsis geäußert, dass nach der IRA-Ankündigung die Gewalt eingestellt wird. Sie befürchten, dass sich in der IRA die Gegner der Entwaffnung auf die Seite der Splittergruppe "Wahre IRA" schlagen könnten, die den Friedensprozess ablehnt und sich zu zahlreichen Anschlägen bekannt hat. Auf Seiten der pro-britischen Gruppen kündigte die militante Ulster Defence Association (UDA) an, dem Vorbild der IRA nicht zu folgen.

Die "Wahre IRA" teilte mit, ihren Kampf fortsetzen zu wollen. "Da sind andere Bereiche in der (Irisch) Republikanischen Armee, die noch gegen die britische Präsenz auf der (irischen) Insel sind, sagte im BBC-Radio Joe Dillon von der Bewegung "32 souveräne Grafschaften", die ein Sprachrohr der Wahren IRA ist. "Sie (die Wahre IRA) wird sich ohne Zweifel den Mantel der IRA umhängen und die britische Besetzung weiter herausfordern", sagte Dillon. In Nordirland herrscht seit mehr als 30 Jahren Bürgerkrieg. Bei den Kämpfen sind etwa 3600 Menschen ums Leben gekommen.

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