Irak
Analyse: Krieg für den Weltfrieden

Selten hat ein begrenzter Krieg die weltpolitischen Verhältnisse so stark in Bewegung gebracht wie der Feldzug gegen Saddam Hussein.

Selten hat ein begrenzter Krieg die weltpolitischen Verhältnisse so stark in Bewegung gebracht wie der amerikanische Feldzug gegen Saddam Hussein. Für die moralisch argumentierenden Gegner dieses Kriegs war jedes seiner Opfer ein Opfer zu viel. Das Gesicht des Kriegs ist für sie der zwölfjährige Ali Ismail Abbas mit seinem verbrannten Körper und beiden amputierten Armen. Für die realpolitisch argumentierenden Befürworter dieses Kriegs war die Beseitigung des faschistischen Baath-Regimes die vergleichsweise geringen menschlichen Verluste wert. Für den langfristigen Erfolg dieses Kriegs spricht aus dieser Sicht eine kleine Nachricht vom gestrigen Mittwoch: Im Irak nahmen US-Spezialeinheiten den seit langem gesuchten Terroristen Abu Abbas fest - den früheren Chef der Palästinensischen Befreiungsfront PLF und Drahtzieher der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" im Jahre 1985.

In der Person des gefangenen Terroristen verdichtet sich die eigentliche Ratio des Irak-Kriegs und die eigentliche Hoffnung nach seinem Ende. Direkt nach dem 11. September 2001 hatte George W. Bush in seiner berühmten Rede über den "War against Terror" das Ziel formuliert, den "grenzüberschreitenden Terrorismus" auszurotten. Staaten dürften nicht mehr als Rückzugsräume für Terrorkommandos funktionieren. Diesem Ziel ist Bush mit dem Sieg von Bagdad ein Stück näher gekommen. Charles Krauthammer schrieb vor einigen Tagen in der "Washington Post" zu Recht, die totalitären Regimes von Damaskus bis Pjöngjang würden den Fall Saddams mit "shock and awe" registrieren.

Vielleicht bricht dieser Krieg nun doch die "Realitätsverweigerung in der arabischen Welt" auf, von der Hans Magnus Enzensberger vor kurzem gesprochen hat. Auf jeden Fall gehören alle Staaten zu den Verlierern dieses Kriegs (und zu den möglichen Zielen neuen amerikanischen Drucks), die immer noch Terroristen beherbergen oder ihre Aktionen direkt oder indirekt unterstützen.

Das Ziel einer Welt ohne "grenzüberschreitenden Terrorismus" ist genauso realistisch oder genauso utopisch, wie es einst der Widerstand der freien Welt gegen den Kommunismus war. Und genau wie damals wiederholen sich die Argumente des Appeasements gegen die Bedrohung. Die Amerikaner könnten die Kritiker ihres "demokratischen Imperialismus" im Nahen Osten ernster nehmen, wenn diese Kritiker selbst eine kohärente Strategie gegen den internationalen Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen vorzuweisen hätten. In Wahrheit haben sich die meisten europäischen Staaten jedoch damit abgefunden, dass Mörder vom Schlage Abu Abbas aus ihren Verstecken im Nahen Osten heraus operieren können.

Die "Achse der Unwilligen" wiederholt gegenwärtig den strategischen Fehler vom Jahresanfang: Statt gemeinsam mit den Amerikanern den Druck auf Syrien zu erhöhen, schwingen sich vor allem die Franzosen zur Verteidigung des Diktators Assad auf. Dabei dient Syrien eindeutig als Operationsbasis für Terrorgruppen wie die antiisraelischen Hisbollah-Milizen. Deshalb sollten alle demokratischen Nationen, egal wie sie zum Irak-Krieg standen, eigentlich ein gemeinsames Interesse haben: dass der "Lerneffekt" der neuen Abschreckungsstrategie, den sich Bush in der arabischen Welt und anderswo erhofft, auch tatsächlich funktioniert.

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