Irak: Analyse: Lehren aus dem Krieg

Irak
Analyse: Lehren aus dem Krieg

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht – Militärstrategen und die Experten der Rüstungsindustrie versuchen zurzeit, die „Lehren“ aus dem Krieg gegen den Irak zu ziehen.

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht - Militärstrategen und die Experten der Rüstungsindustrie versuchen zurzeit, die "Lehren" aus dem Krieg gegen den Irak zu ziehen. Welche Waffen waren "erfolgreich"? Welche Taktik führte zum Sieg? Was können künftige Kriegskoalitionen besser machen?

Keine militärische Operation läuft wie geplant, auch nicht die im Irak. Das schreibt sich in der Rückschau zwar leicht, für die Zukunft heißt es aber: Der Kampf gegen Saddam kann nicht als Blaupause für "den" Krieg im 21. Jahrhundert gelten. Dazu war die Ausgangslage im Zweistromland - offene Wüstenregionen, eine durch zehn Jahre Sanktionen und ständige Luftschläge geschwächte Armee - zu speziell.

Die USA haben den Nato-Staaten aber vor Augen geführt, wie weit die Schere der militärischen Fähigkeiten zwischen ihnen und den übrigen Mitgliedern auseinander klafft. Wenn vor allem die Europäer künftig ein Wort mitreden wollen, sollten sie daran schleunigst etwas ändern - vor allem bei der Ausrüstung ihrer Armeen.

Einen Krieg à la Rumsfeld werden sie aber nie führen können. Die relativ niedrigen Verluste auf Seiten der Angreifer verbergen, dass bei den Amerikanern nach dem 11. September 2001 ein taktisches Umdenken eingesetzt hat: Galt bisher die Devise, Verluste auf jeden Fall zu vermeiden, so waren die Planer des Irak-Kriegs offenbar bereit, sie hinzunehmen. Dem wird die Mehrheit der europäischen Nato-Staaten kaum folgen können, erst recht nicht in einem "Präventivkrieg".

Der US-Verteidigungsminister, dessen Strategie des gleichzeitigen, schnellen Angriffs kombinierter Waffengattungen sich durchsetzte, ist ein hohes Risiko eingegangen. Und er hatte viel Glück: Die Gefahr für die langen und ungeschützten Nachschubwege zur Front war groß, die Truppenstärke auf das Nötigste beschränkt. Die Kehrseite zeigt sich heute. Die Soldaten können kaum die Ordnung in den besetzten Gebieten aufrechterhalten und damit auch kaum den Frieden gewinnen. Der Irak hat zudem nicht zum scheußlichen Mittel gegriffen, gefangene Soldaten wie in Somalia vor laufenden Kameras zu massakrieren, um den Rückhalt in den USA zu mindern.

Rumsfelds Credo, dass ein Krieg künftig vor allem durch Informationsvorsprung gewonnen werden kann, hat sich erfüllt: Das belegt der überraschende Vorstoß auf den Flughafen von Bagdad und ins Stadtzentrum der Metropole, der schließlich das Regime in die Flucht trieb. Um mehr zu wissen als der Gegner, müssen die europäischen Armeen ihre Teilstreitkräfte besser vernetzen und ihre Aufklärungsfähigkeiten erweitern. Sie brauchen Präzisionsmunition. Diesen Druck hat der Irak-Krieg nur verstärkt. Die Firmen, die diese Technologie anbieten, werden sich in den kommenden Jahren über hohe Umsätze freuen - auch deutsche Aufträge sollten darunter sein.

Die Bundeswehr muss in der Lage sein, weiter als nur bis zum nächsten Hügel zu schauen. Nur diejenigen Staaten, die über besondere militärische Fähigkeiten verfügen, werden langfristig international Gewicht haben. Das gilt nicht nur für "Blitz-Kriege", sondern auch für die Rolle, die der Bundeswehr auf Grund der deutschen Vergangenheit am besten passt: die schwierige Friedenssicherung, wenn die Waffen schweigen.

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