Irak-Anleihen werden höher gehandelt als Bonds von United Airlines
Anleger spekulieren auf die Nachkriegszeit

Extrem risikobereite Anleger spekulieren bereits auf die Zeit nach dem Irak-Krieg. Sie hoffen, dass eine neue Regierung in Bagdad die zurzeit praktisch wertlosen Anleihen des Landes zurückzahlen wird.

HB LONDON. Zwar hat der Irak seine Anleihen im Volumen von 62 Mrd. Dollar seit dem Golfkrieg Anfang der 90er Jahre nicht bedient. Trotzdem sind einige Anleger plötzlich scharf auf die Papiere. In den letzten sechs Monaten hat sich der Kurs der Irak-Anleihen bereits verdoppelt. Die Investoren spekulieren darauf, dass die USA nach einem Irak-Krieg Geld in die Ölindustrie des Landes hineinpumpen - und dass ein künftig vom Ölreichtum profitierender Irak seine Schulden begleichen wird. "Sie werden das nötige Geld haben, die Anleihen zu bedienen", erwartet Michael Lambert, der den Emergent- Alternative-Fonds mit Sitz auf den Bermudas verwaltet.

Die Irak-Anleihen werden derzeit bei 16 Cent je Dollar Nominalwert gehandelt; im September standen sie noch bei 8 Cent je Dollar. Dies zeigt, dass die Anleger eher damit rechnen, dass der Irak seine Schulden zurückzahlen wird als United Airlines. Die notleidenden Anleihen der weltweit zweitgrößten Fluglinie werden bei 12 Cent je Dollar Nominalwert gehandelt.

"Es ist eine der größten Länderspekulationen. Fundamental gesehen ist Irak ein sehr guter Gläubiger", sagt Andreas Rialas, Fondsmanager bei Argo Capital Management in London. "Nur kommt man kaum an die Papiere. Die Anleger, die sie halten, wollen sie nicht verkaufen, sie warten einfach ab."

Die Kurse könnten noch höher klettern, wenn eine den USA wohlgesonnene Regierung das Regime von Saddam Hussein ablöst, sagen Investoren. "Die Kurse der Anleihen könnten sich leicht verdoppeln", erklärt Richard Segal, Chefanalyst bei Exotix, der Londoner Broker-Tochter von ICAP, die Irak- Anleihen handelt. Er schätzt, dass Irak-Anleihen im Volumen von 11 Mrd. Dollar gehandelt werden.

Aber selbst nach einer Umschuldung dürfte der Irak die Anleihen nicht bar zurückzahlen. Andere kriegsgeschüttelte Länder haben Kredite in neue Anleihen gepackt, die viele Jahre später fällig werden. Bosnien beispielsweise tauschte einen Teil der Verbindlichkeiten in Bonds um, die 2017 fällig werden. Die Papiere werden nur eingelöst, wenn das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2 800 Dollar beträgt. Der Kurs der Anleihe hatte sich 2002 vervierfacht, nachdem die Wirtschaft in den letzten zwei Jahren um vier Prozent pro Jahr gewachsen war.

Die Irak-Anleihen stellen einen Teil des 51 Mrd. Dollar schweren Marktes für Wertpapiere von elf Ländern dar, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt haben und mit US-Handelssanktionen belegt sind. Dazu gehören auch Kuba, Nordkorea und Libyen. Wegen der Sanktionen müssen US-Unternehmen sich fern halten. Daher werden die Anleihen von Unternehmen mit Sitz in Europa oder anderswo gehandelt, die von dem Embargo nicht betroffen sind.

Einige Anleger halten einen Mix aus Anleihen von Ländern mit einem Handelsembargo und setzen darauf, dass bei mindestens einem Land das Embargo aufgehoben wird. In der Hoffnung auf hohe Gewinne bei einem Investment tarieren sie so das Risiko des Totalverlustes aus. Fondsmanager Lambert beispielsweise besitzt auch kubanische Anleihen. Er rechnet damit, dass die USA wieder Beziehungen zu Kuba aufnehmen, sobald ein Nachfolger den 76-jährigen Kommunisten Fidel Castro ablöst.

Bei den Irak-Papieren ist für die Fonds hingegen die Reaktion ihrer Kunden, insbesondere aus den USA , ein weiteres Risiko. "In den USA ist es illegal, mit Irak-Anleihen zu handeln", sagt ein Sprecher des Finanzministeriums. Diese Regeln beschränken auch einige europäische Fondsmanager, deren US-Kunden nichts mit Unternehmen zu tun haben wollen, die Irak-Anleihen halten. "Anlegern, die im Rampenlicht stehen, sind durch politische Faktoren die Hände gebunden", bestätigt Ivan Nenkov, geschäftsführender Direktor bei Bulbrokers AD in Sofia. Marktteilnehmer prognostizieren, sobald die Sanktionen gegen den Irak aufgehoben seien, würden US-Investoren aber zugreifen.

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