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Irak-Ausnahmezustand verringert Anschläge

Ein US-Diplomat ist nur wenige Tage vor dem Ende seines Auslandseinsatzes am Mittwoch in Bagdad bei einem Attentat erschossen worden. US-Außenminister Colin Powell sprach den Hinterbliebenen des 48-jährigen Jim Mollen sein Beileid aus.

dpa BAGDAD. Ein US-Diplomat ist nur wenige Tage vor dem Ende seines Auslandseinsatzes am Mittwoch in Bagdad bei einem Attentat erschossen worden. US-Außenminister Colin Powell sprach den Hinterbliebenen des 48-jährigen Jim Mollen sein Beileid aus.

Er versicherte, die USA würden dennoch nicht von ihrer Verpflichtung abweichen, einen friedlichen und prosperierenden Irak aufzubauen. Die Übergangsregierung in Bagdad zog zweieinhalb Wochen nach Verhängung des Ausnahmezustandes indes eine erste positive Bilanz. Die Zahl der Anschläge sei seither von durchschnittlich 123 auf jetzt 62 Attacken pro Tag zurückgegangen, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Ijad Allawi am Donnerstag.

Unter Berufung auf die Notstandsgesetze hatte Allawi am 7. November die Schließung der Grenzen zu Syrien und Jordanien sowie weitere Maßnahmen beschlossen, um die Bewegungsfreiheit der Aufständischen einzuschränken. Am Donnerstag feuerten Aufständische mehrere Mörsergranaten auf die so genannte Grüne Zone in Bagdad ab. Dicke Rauchwolken stiegen am Westufer des Tigris empor, wo sich der Sitz der Übergangsregierung und die US-Botschaft befinden.

Mollen ist der zweite in Bagdad getötete US-Diplomat seit der Machtübernahme der Übergangsregierung Ende Juni. Er hatte sich nach Angaben von Powell vor einem Jahr freiwillig für seinen Einsatz im Irak gemeldet und als Experte das Bildungsministerium beraten. Die Tageszeitung "Washington Post" schrieb unter Berufung auf die Familie, dass der Diplomat am 1. Dezember seinen Auslandseinsatz beenden und in die USA zurückkehren wollte.

US-Truppen, britische Soldaten und irakische Sicherheitskräfte umstellten am Donnerstag bei ihrer zwei Tage zuvor begonnenen Operation gegen Aufständische im so genannten Todesdreieck südlich von Bagdad die Stadt Latifija. Augenzeugen berichteten, bei Gefechten seien drei Zivilisten getötet und neun weitere verletzt worden. Der Fernsehsender BBC sprach von einer der "größten britischen Operationen seit dem Ende des Irak-Krieges".

In der nordirakischen Stadt Mossul fanden Passanten die Leichen von zwei erschossenen Nationalgardisten. Bei Gefechten zwischen Aufständischen und US-Soldaten in der westirakischen Stadt Al-Kaim starben nach Angaben von Augenzeugen zwei Iraker. Einwohner der von den US-Truppen eingenommenen Rebellenhochburg Falludscha berichteten von neuen Angriffen der Luftwaffe.

Nach Angaben des Sicherheitsberaters der Übergangsregierung, Kassim Daud, fanden irakische Nationalgardisten und US-Soldaten in Falludscha eine Folterkammer, die sich in einer Moschee befunden haben soll. Er zeigte in Bagdad Bilder der Folterkammer, auf denen Folterinstrumente und Blutspuren noch deutlich zu erkennen waren. Des Weiteren sei ein Chemie-Labor entdeckt worden, das Spuren von Antrax enthalten habe. Auch andere Gifte sollen dort hergestellt worden sein. Ob das Labor zu Saddams Zeiten oder in jüngster Zeit von Rebellen benutzt wurde, sei noch nicht eindeutig geklärt.

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