Irak
Die Wahrheit ist das erste Kriegsopfer

Hans Blix ist überzeugt, dass Bush die Militäroperation gegen den Irak schon vor dem 11. September geplant hatte.

Bis heute wurden im Irak nicht jene Massenvernichtungswaffen, nicht jene "rauchenden Colts" gefunden, aus denen Bushs Amerika und seine allseits gefälligen Partner ihr Alibi für ihren Waffengang konstruierten. Für den Chef der einstigen Uno-Waffenkontrollkommission (Unmovic) mag dies eine späte Genugtuung sein. Nach der Lektüre seines Buches "Mission Irak, Wahrheit und Lügen" ist man jedenfalls geneigt, Hans Blix derart zu interpretieren.

Doch Häme sucht man vergeblich. Aber man findet Enttäuschung, Ohnmacht. Der ehemalige schwedische Außenminister konnte den Krieg nicht verhindern, weil man ihm politische Fesseln anlegte, seine Kompetenz in Zweifel zog - schlicht aus zynischem Kalkül heraus, mit bekannten Folgen. Und das verletzt jemanden, der mehr als eineinhalb Dekaden lang als Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde und als ausgewiesener Abrüstungsfachmann internationales Renommee genoss.

Blix pflegte einst mit einem Vergleich mit dem Papst zu kokettieren: Wie der Pontifex habe auch er keine Armee, sei auf die Kunst der Diplomatie angewiesen. Kein Wunder, dass man spürt: Der Professor für Völkerrecht sah sich durch jene, die ohne völkerrechtliche Legitimation ihre Armeen im Irak aufmarschieren ließen, geradezu gezwungen, Tacheles zu reden: schonungslos, radikal - damit voller Spannung. Hans Blix schreibt zwei Bücher in einem. Das erste befasst sich mit der Zeit nach dem Golfkrieg 1991 bis zur Installierung der Unmovic durch den Uno-Sicherheitsrat als Nachfolger der von der US-Regierung ebenfalls stets mit Argusaugen beobachteten und letztlich aufgelösten Vorgängerkommission Unscom. Es ist eine politische Analyse, für die Blix trotz oder gerade wegen des ernüchternden Stoffes eine wohltuende Form der Erzählung wählt.

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