Irak
Falludscha stellt Amerikas Durchhaltewillen auf die Probe

Amerika ringt in diesen Tagen um die Lehre aus den entsetzlichen Ereignissen in der Gegend um Falludscha. Mit Gewalt und Entführungen zeigen die Aufständischen, dass der Krieg gegen den Terror auch nach terroristischen Regeln geführt wird. Eine hochmoderne Armee ringt mit der Guerillataktik des Gegners. Die Militärgeschichte lehrt, dass moderne Armeen diesen Kampf nicht immer gewinnen.   Zur englischen Version

HB/WSJ NEW YORK. Die Gräueltaten der Guerillakämpfer richten sich gezielt gegen den Durchhaltewillen der Menschen und Regierungen, die hinter den Streitkräften im Irak stehen. Der Lynch-Mord an vier amerikanischen Sicherheitsexperten ruft in Amerika das Trauma von Mogadischu 1993 in Erinnerung. Auch damals waren getötete Amerikaner durch die Straßen geschleift worden. Die Erschütterung daheim über die Fernsehbilder führte schließlich zum Abzug der US-Truppen aus Somalia.

Mit Guerillataktiken hatte bereits der Vietkong einigen Erfolg gegen die US-Armee. Zwar brachte seine Tet-Offensive 1968 ihm eine militärische Niederlage. Doch deren Ausgang drehte in Amerika die Stimmung gegen die eigene Armee, beflügelte die Friedensbewegung, brachte die Wende im Vietnamkrieg und schließlich den Rückzug der Amerikaner.

Heute allerdings ist die Stimmung hier ganz anders als in den 60er Jahren. Dies zeigte sich in der Reaktion auf den 11. September: Ein Ausbruch von Patriotismus und Rufe nach Rache, die es in den 60er Jahren nicht gab. Damals lehnten viele Amerikaner den Gedanken ab, dass ein Krieg gegen Kommunisten in einem fernen Land der Heimatverteidigung diene. Außerdem bestand die US-Armee damals aus Wehrpflichtigen, heute sind im Irak freiwillige Profis tätig.

Doch der Durchhaltewille der Amerikaner geht jetzt durch die entscheidende Bewährungsprobe. Falludscha führt uns die Gefahren vor Augen, denen die Leute vor Ort ausgesetzt sind. Noch gibt es in beiden US-Parteien Rückhalt für ein Verbleiben im Irak. Doch nach weiteren "Falludschas" - und die werden kommen - wird dies nicht mehr so sicher sein.

Newt Gingrich, der frühere starke Mann der Republikaner, ist sich mit dem demokratischen Senator Joseph Biden einig, dass die USA sich einen Rückzug aus dem Irak politisch nicht leisten können. Doch der Demokrat Biden will die Überwachung des Iraks an die Uno abgeben, sobald im Juni eine irakische Regierung die Macht übernommen hat. Und er möchte der Sache das "amerikanische Gesicht" entziehen.

Dies weist auf schwindenden Durchhaltewillen hin. Der Republikaner Gingrich lehnt es zwar ab, der Uno jetzt alles in den Schoß zu werfen. Doch auch er will, dass die Sache so schnell wie möglich ein "irakisches Gesicht" bekommt. "Die Iraker selbst müssen es endlich selbst in den Griff bekommen, ihr eigenes Land zu regieren", findet Gingrich. In der Tat: Der Guerillakrieg kann nur gewonnen werden, wenn die Iraker selbst aus eigenem Interesse den Guerillakämpfern den Rückhalt entziehen. Doch zunächst muss die US-Verwaltung auf die Morde und Entführungen reagieren und zeigen, dass sie Terror nicht tatenlos hinnimmt.

Nirgendwo steht geschrieben, dass die moderne Armee im Guerillakrieg immer verlieren muss. Doch ein Sieg setzt Durchhaltewillen voraus - bei den Menschen vor Ort und bei uns hier in Amerika.

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