Irak finanziert UNMOVIC selbst
UN-Waffenkontrolleure sitzen auf gepackten Koffern

Hans Blix, Chef der UN-Waffenkontrolleure für den Irak, hatte die Hoffnung nie aufgegeben. Eines Tages werde die Einladung von Saddam Hussein schon kommen, versicherte der Schwede Besuchern in seinem Büro im 31. Stockwerk des New Yorker UN - Glaspalastes immer wieder. Jetzt hat der 74-jährige Diplomat und Abrüstungsexperte Recht bekommen. Der Brief des irakischen Außenministers Nadschi Sabri an UN-Generalsekretär Kofi Annan könnte das lange Warten seiner Inspekteure beenden.

HB NEW YORK. Fast vier Jahre haben sie gleichsam auf gepackten Koffern gesessen. Die Kommission von Blix, die unter der Abkürzung UNMOVIC firmiert, verfügt über mehr als 60 hauseigene Spezialisten sowie über 230 Chemiker, Biologen und Fachleuten für Massenvernichtungswaffen aus aller Welt. Sie sind in vierwöchigen Kursen auf den Einsatz vorbereitet worden. Zur Ausbildung eines Waffeninspekteurs gehört die Einführung in den Irak-Konflikt, Bagdads Waffendossiers sowie die Kultur, Geschichte und Politik des Nahost-Landes.

Anders als die frühere Waffenkommission UNSCOM unter dem Australier Richard Butler ist UNMOVIC unabhängig. Sie wird vom Irak selbst finanziert - mit Erlösen aus dem "Öl für Nahrung"-Programm. Dadurch kann sich Blix leisten, Fachleute aus mehr als 40 Ländern für den Einsatz im Irak zu bezahlen. UNSCOM war auf die kostenlos gestellten Experten einiger weniger Länder wie den USA angewiesen und dadurch dem Spionagevorwurf ausgesetzt.

Resolution 1284 liefert Anreiz für Bagdad

Bei voller Kooperation der Iraker glaubt Blix, seine Aufgabe in Jahresfrist erledigen zu können. Er hofft, dem Weltsicherheitsrat noch 2003 einen umfassenden Bericht über die Vernichtung aller Waffensysteme im Irak vorlegen zu können. Dieser Bericht ist die Voraussetzung dafür, dass die irakische Bevölkerung endlich von dem Joch der 1990 verhängten UN-Sanktionen erlöst werden könnte.

Resolution 1284 vom Dezember 1999 sieht als Anreiz für Bagdad vor, dass die Sanktionen bereits nach 120 Tagen uneingeschränkter Zusammenarbeit zwischen UNMOVIC und den irakischen Behörden für eine ebenso lange Frist vorübergehend aufgehoben werden. Dieses Zugeständnis würde umgehend wieder eingestellt, sollte Bagdad den UN - Inspekteuren wie in der Vergangenheit den Zugang zu Regierungsgebäuden oder Fabrikanlagen versagen.

Blix will "frischen Verdachtsmomenten" auf den Grund gehen

Mit Zustimmung des Weltsicherheitsrates würden sich die ersten Kontrolleure von Blix-Sprecher Ewen Buchanan innerhalb von Tagen auf den Weg machen und mit dem Irak technische Einzelheiten klären. Dabei geht es um Landeplätze für Flugzeuge und Hubschrauber sowie Unterkünfte und Arbeitsräume für das UN-Team. Danach ist Blix durch Resolution 1284 gehalten, dem Sicherheitsrat ein Arbeitsprogramm vorzulegen.

UNSCOM hatte mehr als 700 Gebäude, Anlagen und andere Orte im Irak auf Spuren chemischer und biologischer Waffenmaterialien sowie Raketensysteme untersucht, bevor es seine Inspekteure im Dezember 1998 unmittelbar vor amerikanisch-britischen Luftangriffen auf den Irak abzog. Diese 700 Orte will auch Blix auf seine Liste setzen. Darüber hinaus plant der Chefinspekteur, "frischen Verdachtsmomenten" auf den Grund zu gehen. Die hat er von Satellitenaufnahmen und geheimdienstlichen Erkenntnissen, mit denen ihn UN-Mitgliedsländer in den vergangenen Jahren versorgt haben.

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