Irak, Jemen und Sudan im Fokus
Manche Araber unterstützen "chirurgische" US-Einsätze

Mit dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan nach wochenlangen US-Angriffen wird ein Vorgehen der USA gegen Stützpunkte von Terrororganisationen in anderen Ländern wahrscheinlicher. Ein Angriff auf irakische Ziele gehört im internationalen Kampf gegen den Terrorismus inzwischen zu den meistdiskutierten Möglichkeiten, auch wenn UN-Generalsekretär Kofi Annan die USA erst am Sonntag vor einer Eskalation gewarnt hatte.

afp AMMAN. Doch der Druck seitens des US-Kongresses auf US-Präsident George W. Bush wächst. In der arabischen Welt gibt es inzwischen Politiker, die einen Angriff auf arabische Ziele wie Irak, Jemen oder Sudan unter Umständen für vertretbar halten. Zuvor müsste sich Washington jedoch verstärkt um die Haltung von Machtfaktoren wie den irakischen Nachbarn Türkei und Iran kümmern, sagt ein arabischer Diplomat.

Ein Angriff auf Irak könne wohl kaum vor der Hadsch, der traditionellen Pilgerfahrt nach Mekka Ende Februar, stattfinden, gibt der Diplomat zu Bedenken. "Die USA wollen Schwierigkeiten bei der Pilgerfahrt vermeiden, die ohnehin schon mehrere blutige Zwischenfälle erlebt hat." Arabische Staatschefs seien einer solchen Militäraktion aber keineswegs abgeneigt, nur schnell müsse es gehen: "Die Führer wollen ihre eigenen Systeme nicht in Gefahr sehen, wenn sich der Einsatz verlängern sollte." Der Sturz von Iraks Präsident Saddam Hussein scheint den Staats- und Regierungschefs der Region demnach nur Recht zu sein.

Militärschläge gegen Auswüchse des El-Kaida-Netzwerks

Aber auch Militäreinsätze in anderen arabischen Staaten könnten durchaus Zustimmung finden, heißt es aus nahöstlichen Regierungskreisen. "Chirurgische Schnitte" gegen Auswüchse des El-Kaida-Netzwerks des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden beispielsweise in Sudan oder Jemen seien sogar ausdrücklich gewünscht, wenn dies mit örtlichen Behörden abgestimmt werde. "Die El-Kaida-Zellen sind vor allem in Regionen aktiv, auf die die Behörden ohnehin keinen Zugriff haben", sagt ein arabischer Regierungsbeamter. In Südjemen könnten möglicherweise bald in Hadhramut Raketen einschlagen: Dort, am früheren Wohnort seines Vaters, unterhielt bin Laden einen Stützpunkt. Noch immer sollen dort Mitglieder seiner Großfamilie leben.

Regierungsangaben zufolge sollen die El-Kaida-Strukturen in Jemen mit dem örtlichen Islamischen Dschihad zusammenarbeiten, zu deren Führungspersonen Scheich Abdel Madschid El Sandani zählt. Der Scheich habe eine wichtige Rolle gespielt bei der Rekrutierung neuer Kämpfer und deren Ausbildung in afghanischen Trainingslagern, zitiert ein Regierungsbeamter aus den Ermittlungsakten. Zwar sei die genaue Anzahl der Afghanistan-Veteranen unbekannt, doch hunderte von ihnen seien inzwischen wieder im jemenitischen Dschihad-Zweig aktiv. Andere seien in den 90er Jahren nach Jordanien geschickt worden, um dort Anschläge auf Bars und Kinos zu verüben - im Auftrag von Scheich Sandani, finanziert von bin Laden.

Auch Sudan rückt ins Fadenkreuz der Pentagon-Strategen. Dort unterhielt Bin Laden bis in die 90er Jahre mehrere Stützpunkte für seine El-Kaida-Organisation, ehe er auf US-Druck aus dem Land gewiesen wurde. Arabische Regierungskreise weisen auf noch immer aktive Strukturen des Netzwerkes hin, das die USA für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich machen. Die Liste der möglichen Angriffsziele in der militärischen "Nach-Afghanistan-Phase" ist US-Zeitungsangaben zufolge jedoch noch länger: Neben Somalia, berichtete die "Los Angeles Times" am Wochenende, seien auch El-Kaida-Stützpunkte in Indonesien im Fadenkreuz. Demnach könnte ein mutmaßliches Ausbildungs- und Trainingslager in Aceh im Norden des Landes angegriffen werden.

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