Irak-Krieg erschwert Geldpolitik: Notenbanker stehen vor Bewährungsprobe

Irak-Krieg erschwert Geldpolitik
Notenbanker stehen vor Bewährungsprobe

So sehr sie auch versuchen, die Finanzmärkte zu beruhigen – mit dem Ausbruch des Irak-Kriegs befinden sich auch die Notenbanken in erhöhter Alarmbereitschaft.

mak FRANKFURT/M. So sehr sie auch versuchen, die Finanzmärkte zu beruhigen - mit dem Ausbruch des Irak-Kriegs befinden sich auch die Notenbanken in erhöhter Alarmbereitschaft. "Wahrscheinlich haben sie morgens als erstes miteinander telefoniert, um sich dann mit Vertrauen erweckenden Worten an die Öffentlichkeit zu wenden", vermutete Adam Chester, Chefvolkswirt bei HBOS, London.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärte gestern, er habe vor dem Hintergrund der angespannten geopolitischen Situation die wirtschaftliche Lage erneut erörtert und sei bereit, erforderlichenfalls Maßnahmen zu ergreifen: "Die Finanzmärkte können davon ausgehen, dass auch unter außergewöhnlichen Umständen ausreichend Liquidität bereitgestellt wird."

Die Bank of Japan (BoJ) gab bereits gestern rund 1 Bill. Yen (8,3 Mrd. Euro) zusätzliche Liquidität in den Markt. "Wir beobachten die Entwicklung sorgfältig, um die Stabilität des Finanzsektors sicherzustellen", erklärte der neue japanische Notenbankgouverneur, Toshihiko Fukui. Die Schweizer Notenbank ist besorgt über den Wechselkurs des Schweizer Franken. "Wir verfolgen genau, was an den Devisenmärkten passiert", sagte ein Sprecher. Um eine Aufwertung des Franken zu vermeiden, hatte die Notenbank ihren Leitzins Anfang des Monats auf nahe Null gesenkt. Erstmals in acht Tagen gewann der Franken gestern gegenüber dem Dollar an Wert.

Nach Auffassung des EZB-Rates ist es allerdings "gegenwärtig nicht möglich, die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der militärischen Konfrontation auf das Euro-Währungsgebiet endgültig zu beurteilen". Der Einfluss auf die Weltwirtschaft könne je nach Ausbreitung und Dauer des Konflikts in Reichweite und Größenordnung sehr unterschiedlich sein.

Ungeachtet dieser Ungewissheit hat der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, die EZB aufgefordert, vor allem mit Blick auf die schwache deutsche Konjunktur den Leitzins von derzeit 2,50 % deutlich zu senken. "Die EZB könnte die Zinsen halbieren, um bei dem US-Niveau zu landen", sagte Sinn. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, bekräftigte seine Forderung nach einer möglichst raschen weiteren Leitzinssenkung um 50 Basispunkte.

Die EZB will aber offenbar trotz Krieg ihr primäres Ziel, Preisstabilität zu sichern, nicht aus den Augen verlieren. Sie werde "im Hinblick auf ihren Auftrag den Gang der Ereignisse weiterhin einer gründlichen Analyse unterziehen", heißt es in der Stellungnahme des Rates.

Der schlimmste Fall, ein langer Krieg mit einer anhaltenden Störung der Ölversorgung, brächte die EZB in eine ernste Zwickmühle. Steigende Ölpreise könnten die Inflation anheizen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum dämpfen. "Die EZB wäre gut beraten, dies als externen Schock anzusehen", empfiehlt Ulrich Beckmann, Leiter des Research-Büros Frankfurt der Deutschen Bank. Seine Empfehlung: Die EZB sollte in diesem Fall kurzfristig die höheren Inflationsraten in Kauf nehmen und die Zinsen senken. Wahrscheinlicher sei allerdings einen kurzen Krieg mit wieder nachgebenden Ölpreisen - und Chancen für eine Belebung der Weltwirtschaft. Vom Ölpreis sei für die Geldpolitik dann wenig zu befürchten.

Manfred Neumann, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn, ist skeptischer. Er traut den Amerikanern keinen raschen Sieg im Irak zu, sondern warnt vor einem Flächenbrand in der Golfregion. Wenn der Krieg länger als drei Wochen anhalte, werde die Euro-Bank zur Beruhigung der Märkte die Zinsen erneut senken. "Aber das verpufft", meint Neumann. Er befürchtet, dass die Konjunktur abstürzt.

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