Irak-Krieg ist in Kursen der Produzenten bereits eingepreist: Anleger nehmen Ölpreiseinbruch vorweg

Irak-Krieg ist in Kursen der Produzenten bereits eingepreist
Anleger nehmen Ölpreiseinbruch vorweg

Weil die Märkte einen Krieg erwarten, ist die Korrelation zwischen Ölpreis und Ölaktien dahin. Analysten raten, Ölaktien unterzugewichten. Die Ausnahme bilden Wachstumswerte aus Italien und Frankreich.

FRANKFURT/M. Wer heute in Deutschland sein Auto betankt, muss für einen Liter Super im Schnitt 1,17 Euro hinblättern. Das ist der höchste Preis seit der Einführung des Euro. Die Krisen um den Irak und in Venezuela haben den Ölpreis auf mittlerweile über 33 $ je Barrel (159 Liter) für die Nordseesorte Brent steigen lassen.

So teuer war das schwarze Gold seit 27 Monaten nicht mehr. Das, sollte man meinen, ist gut für die Ölkonzerne, denn sie arbeiten schon bei Preisen über 20 $ für ein Barrel hoch profitabel. Folgerichtig meldete beispielsweise Royal Dutch/ Shell kürzlich zum ersten Mal seit fünf Quartalen Gewinnzuwächse. Und ebenso folgerichtig liefen die als defensiv geltenden Ölaktien 2002 das dritte Jahr in Folge besser als der Gesamtmarkt.

Autofahrern, die höhere Kosten an der Zapfsäule mit Gewinnen bei Ölaktien ausgleichen wollen, ist indessen Vorsicht anzuraten. Die Börse stellt sich bereits auf einen Krieg gegen den Irak ein. Das heißt nach den Erfahrungen mit dem ersten Golfkrieg 1991: Wenn geschossen wird, sinken die Ölpreise. "Die Kurse von Ölaktien haben sich vom Ölpreis abgekoppelt und sinken teils stärker als der Gesamtmarkt", sagt Thomas Paschen, Ölexperte der ING BHF-Bank und liefert die Erklärung für das scheinbare Paradoxon. "Der Markt nimmt vorweg, dass der Ölpreis und mit ihm die Gewinne der Konzerne bald deutlich einbrechen könnten." Voraussetzung dafür sei allerdings ein schneller Sieg über das Regime in Baghdad und hohe Zusatzförderung durch Großproduzenten wie Saudi Arabien und Kuwait, die diese bereits zur Unterstützung der USA angekündigt haben.

Entsprechend gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass der Ölpreis bei Beginn eines Kriegs rapide sinken und sich dann in dem von der Opec gewünschten Band zwischen 22 und 28 $ je Barrel einpendeln wird. Darüberhinaus könnte es sein, dass Ölwerte im Vergleich zu Branchen mit mehr Wachstumspotenzial an Attraktivität verlieren, wenn die Konjunktur nach Kriegsende anspringt.

Experten rechnen daher mittelfristig mit schwächeren Ölaktien. Denn im Schnitt erwirtschaften die Ölkonzerne 70 % ihrer Erträge mit Exploration und Produktion ("Upstream"), wobei die Upstream-Gewinne unmittelbar am Ölpreis hängen. Am ehesten werden deshalb Aktien jener Ölkonzerne für positive Überraschungen sorgen, die neben dem Upstream weitere ertragreiche Geschäftsfelder und als Zugabe überdurchschnittliche Wachstumschancen haben. "Die Wachstumsunternehmen der Branche bleiben unsere Top-Picks", sagt Harald Feldhoff, Ölanalyst der WGZ-Bank.

Zu den Favoriten zählt der italienische Energiekonzern Eni. "In Bezug auf die Ölpreisentwicklung ist Eni am wenigsten gefährdet", sagt Paschen. Der Konzern erwirtschaftet nur die Hälfte seines Umsatzes im Upstreamgeschäft. Ein weiterer wichtiger Bereich sind nach der Übernahme von Italgas die margenstarken Gas-Aktivitäten. "Auch das geschätzte Wachstum ist mit 6 % überdurchschnittlich. Zudem ist Eni günstig bewertet. Der Bewertungsabschlag im Vergleich zu den größten Ölkonzernen wie etwa BP ist zu hoch", sagt Ralph Herre, Ölanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. Enis Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) siedeln Analysten bei 10,7, das von BP bei 15,2 an. Für Anleger ebenfalls interessant: Eni hat eine Dividendenrendite von 5,7 %.

Hohes Wachstumspotenzial im Branchenvergleich hat auch der französische Ölkonzern Total Fina Elf mit mehr als 10 % im Bereich Öl- und Gasförderung. Zum Vergleich: Bei den Öl-Riesen BP und Royal Dutch rechnen Analysten maximal mit 3 % organischem Wachstum. Feldhoff empfiehlt Total zum Kauf mit einem Kursziel von 150 Euro. Mittelfristig könnte der Aktie auch Auftrieb geben, dass die Franzosen über beste Kontakte im Irak verfügen. Dies sollte - wenn der Irak-Konflikt gelöst ist - dem Konzern helfen, sich entsprechend große Anteile am Geschäft mit irakischem Öl zu sichern. "Schon jetzt verfügt Total Fina Elf unter den europäischen Ölmultis über die größten Förderkapazitäten im Nahen Osten", sagt Paschen.

Weil bei ihnen die Wachstumsphantasie fehlt, wecken die Branchen-Größen BP und Royal Dutch bei vielen Experten weniger Interesse. Sie seien zwar fundamental stark, heißt es, würden aber bei freundlicheren Märkten in der Anlegergunst sinken. Bis dahin sei nur mit einer eher durchschnittlichen Performance zu rechnen. Es gäbe aber Gründe, die Werte zu halten: Sinken die Märkte weiter, rückt ihr defensiver Charakter wieder in den Vordergrund - und sie bieten Käufern auch ansehnliche Dividendenrenditen von 4,2 (BP) und 5 % (Royal Dutch).

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