Irak-Krieg könnte sich langfristig auf Weltwirtschaft und Finanzmärkte auswirken: Momentan zerbricht mehr als Porzellan

Irak-Krieg könnte sich langfristig auf Weltwirtschaft und Finanzmärkte auswirken
Momentan zerbricht mehr als Porzellan

Die USA und die Sowjetunion "verhalten sich wie zwei stark bewaffnete, aber blinde Männer in einem Zimmer. Jeder glaubt, dass der andere alles sieht und ihn umbringen will." Das schrieb der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger zu Zeiten des Kalten Krieges im Jahr 1979. "Natürlich können sich zwei bewaffnete Blinde im Laufe der Zeit schweren Schaden zufügen - vom Zimmer gar nicht zu reden."

NEW YORK. 24 Jahre später ist die Sowjetunion verschwunden. Die USA gibt es noch, und auch das Zimmer ist das gleiche geblieben. Doch es zeigt sich immer mehr, dass auch einer Welt, in der es nur noch eine Supermacht gibt, eine Menge Schaden zugefügt werden kann. Und dabei zerbricht nicht nur Porzellan.

Der Einmarsch der USA und ihrer britischen und australischen Verbündeten in den Irak wird sich auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte möglicherweise noch jahrelang auswirken.

"Wenn dieser Krieg das Konsumentenvertrauen und die Zuversicht der Unternehmen schwächt, wird das bittere Folgen für die Aktienkurse in Amerika, Europa und Japan haben", warnt George Magnus, Chef-Volkswirt bei UBS Warburg in London. Auch vor Ausbruch des Krieges standen Europa und Japan schon am Rande einer Rezession. Nun werden beide zusätzlich von der Wirtschaftsschwäche in den USA erfasst, weil die Wirtschaft in Europa und Japan ihr Tempo in den vergangenen fünf Jahren nur durch Exporte - vor allem in die USA - halten konnte.

Damit noch nicht genug: Auch der schwache Dollar macht beiden Regionen zu schaffen. "Je länger der Krieg dauert, desto mehr verliert der Dollar an Wert", glaubt UBS-Experte Magnus. "Dadurch werden Europa und Japan weniger wettbewerbsfähig und die Unternehmensgewinne sinken." Analysten bei der UBS gehen davon aus, dass die Talfahrt des Greenback noch lange nicht zu Ende ist und die Währung in den kommenden zwölf Monaten nochmals um 8,5 % bis 9 % gegenüber dem Euro und dem Yen einbrechen wird. Seit Anfang vergangenen Jahres hat der Dollar gegenüber dem Euro bereits ein Viertel verloren, gegenüber dem Yen waren es immerhin 11 %.

Sollte sich die Auseinandersetzung im Irak in die Länge ziehen, werde das Interesse am Dollar und anderen US-Anlagen fallen, betont Bob McKee, Chef-Volkswirt bei der Londoner Finanzberatung Independent Strategy. "Europäische Währungen werden attraktiver, genauso wie europäische Aktien, die ja bereits relativ günstig sind." Der Krieg werde die Märkte so lange belasten, "bis die Anleger sicher davon ausgehen können, dass ein Regimewechsel im Irak bevorsteht", sagt David Fuller, Analyst bei Stockcube Research in London. "Dann kommt es zu einer Rally, die zwei bis sechs Monate dauern kann." Der Ölpreis werde von derzeit rund 30 $ auf 15 bis 20 $ fallen.

Damit ist es aber bereits vorbei mit den guten Nachrichten. Fuller ist überzeugt, dass sich die Märkte anschließend seitwärts bewegen werden - mit einigen periodischen Rückschlägen - bis die Bewertungen wieder das Niveau der frühen 80er Jahre erreicht haben. Für den amerikanischen Aktienindex "S&P 500" würde das eine Dividendenrendite von ungefähr 6 % bedeuten. Gegenwärtig liegt der Wert bei 1,92 %. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis müsste dann bei acht bis zehn liegen; derzeit hat es einen Wert von 30.

Für Fuller gibt es zwei Alternativen, wie es in nächster Zeit weiter gehen könnte. Variante eins: Die Amerikaner gewinnen schnell und ohne größere Probleme den Krieg und sorgen für Sicherheit im Irak. "Langfristig würde das für Frieden sorgen, für Demokratie und wirtschaftlichen Wohlstand." Die großen Verlierer wären dann Frankreich und Deutschland, weil sie aufs falsche Pferd gesetzt haben, sowie Russland, da die Ölpreise dann einbrechen werden.

Das zweite Szenario: "Der Krieg wird zur größten Katastrophe seit Vietnam", so Analyst Fuller. "Dann würde die Welt wesentlich gefährlicher werden, weil sich Massenvernichtungswaffen ausbreiten könnten. Es würde auch zu einem Machtvakuum kommen, da sich die USA dann von der Weltbühne zurückziehen werden." Wer sich nun für eine der beiden Varianten entscheidet, sollte freilich nicht vergessen, dass auf den Krieg gegen den Irak ein weiterer folgen könnte: gegen Nord-Korea.

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