Irak-Krieg lähmt Auftragsvergabe
Softwarehäuser starten schwach ins Jahr 2003

Zuerst warnte Peoplesoft die Anleger, dann Konkurrent Siebel. Bei SAP könnte ein schwaches US-Geschäft die Ergebnisse verhageln. Das erste Quartal mit dem Irak-Krieg fiel schlecht aus.

FRANKFURT/M. Der Krieg im Irak wird in der ersten Jahreshälfte negative Folgen für die Softwareindustrie haben. Viele Geschäftsabschlüsse werden in der Softwarebranche traditionell in den letzten Tagen des Quartals gemacht. Doch aufgrund der politischen Unsicherheit half auch das Warten auf die letzten Märztage wenig. Viele Kunden haben ihre Aufträge offensichtlich verschoben.

Überrascht hat die Experten allerdings das Ausmaß der Gewinnwarnung, die das auf Unternehmen und öffentliche Verwaltungen spezialisierten US-Softwarehaus Peoplesoft in der vergangenen Woche abgegeben hat. Die Analysten der Hypovereinsbank sprechen gar von einem "dramatischen Rückgang der Lizenzumsätze", die mit rund 85 Mill. $ auf historische Tiefstände gefallen sind.

Konkurrent Siebel, spezialisiert auf Software für Marketing und Kundenbeziehungen (CRM), hat laut vorläufigen Ergebnissen im ersten Quartal 2003 die Prognosen für den Umsatz um rund 10 % verfehlt. Siebel rechnet demnach für die ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres mit einem Umsatz zwischen 330 Mill. $ und 335 Mill. $. Rund ein Drittel sollen auf Lizenzumsätze entfallen. Endgültige Zahlen wird Siebel am 27. April vorlegen.

"Die wirtschaftliche Situation hat sich während des Quartals zunehmend verschlechtert", kommentierte Siebel das vorläufige Ergebnis. Kunden hätten Entscheidungen über den Kauf von Software unerwartet ins nächste Quartal verschoben. Doch war den Softwaremanagern bereits seit Wochen klar, dass der Krieg Spuren in den Ergebnissen des Quartals hinterlassen würde.

Henning Kagermann, Chef des deutschen Softwarehauses SAP, räumte vor kurzem in einem Handelsblatt-Gespräch ein, dass er nur unter der Bedingung eines kurzen Krieges mit einer Umsatzverschiebung auf spätere Quartale des Jahres 2003 rechne. Sollte der Krieg jedoch länger dauern, müsse man "die Strategie neu überdenken", so Kagermann vieldeutig.

Die Analysten der Hypovereinsbank sehen jedoch noch keinen Anlass, ihre Jahresprognose für Umsatz und Ergebnis der Walldorfer Softwareschmiede nach unten zu korrigieren. Gleichwohl hat Analyst Knut Woller die Schätzungen für den SAP-Lizenzumsatz im ersten Quartal von 390 Mill. Euro auf 375 Mill. Euro gesenkt. Bei einer anhaltenden Schwäche des Sektors hält er einen Kursrückgang der Aktie bis auf 62 Euro für möglich.

Ein schlechteres Abschneiden von SAP auf dem US-Markt befürchten dagegen die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch. Sie kürzten ihre Prognose für die Lizenzumsätze im ersten Quartal um 40 Mill. Euro auf 341 Mill. Euro. Damit liegen die US-Analysten deutlich unter dem Durchschnitt der Analystenschätzungen von 367 Mill. Euro. Den SAP-Umsatz im ersten Quartal schätzt Merrill Lynch auf 1,62 Mrd. Euro. SAP wird am 17. April die Quartalsergebnisse veröffentlichen.

Um die Existenz kämpft I2, Spezialist für Programme zur Organisation der Produktions- und Lieferkettenorganistation (SCM). Dem Unternehmen macht eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC zu schaffen. Dabei geht es um den Verdacht der Bilanzmanipulation und zu hoch ausgewiesener Umsätze.

Elektronische Marktplätze sind das Spezialgebiet von Ariba und Commerce One. Während sich Ariba auf niedrigem Niveau stabilisiert, schrumpft Commerce One unaufhaltsam weiter. In 2002 stammten von 28 Mill. $ Lizenzumsatz 19,7 Mill. $ von SAP, die mit 20 % an Commerce One beteiligt ist. Seit dem dritten Quartal 2002 ist die Vertriebskooperation beendet.

Quelle: Handelsblatt

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