Irak-Krise erfordert hohe Sicherheitsvorkehrungen für die Jahrestagung von IWF und Weltbank am Golf: Ringen um Weltfinanzgipfel in Dubai

Irak-Krise erfordert hohe Sicherheitsvorkehrungen für die Jahrestagung von IWF und Weltbank am Golf
Ringen um Weltfinanzgipfel in Dubai

Ungeachtet der Irak-Krise setzen die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Weltbank und Weltwährungsfonds (IWF) ihre Vorbereitungen für ihre erste Weltbank und IWF-Jahrestagung am Persischen Golf fort.

DUBAI. Am 23. und 24. September wird sich die Spitze der internationalen Finanzwelt erstmals in Dubai treffen, rund 950 Kilometer südlich der südirakischen Stadt Basra. Dubai erhofft sich durch die Tagung als wichtigster Finanzplatz im Mittleren Osten zu etablieren und aus dem Zwielicht zu treten, in das die Stadt nach dem 11. September 2003 geraten war.

Ibrahim Belselah, der seitens der Emirate die Jahrestagung "Dubai 2003" koordiniert, unterstreicht im Gespräch, sein Land werde für die Sicherheit der Teilnehmer garantieren. Die Vorkehrungen dazu seien bereits angelaufen, so Mitarbeiter von Belselahs Komitee. So fahnden die Behörden der Emirate danach , ob sich zurzeit Personen im Land aufhalten, die auf der "schwarzen Terrorliste" der USA stehen. Belselah zufolge hegen IWF und Weltbank keine Bedenken gegen den Tagungsort.

Etwas zurückhaltender als die Gastgeber äußert sich zurzeit der IWF: "So lange die Situation noch nicht entschieden ist, arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck an der Vorbereitung des Treffens", sagt IWF-Sprecher William Murray. Für den Kriegsfall gebe es aber noch keine endgültige Ansage.

Sowohl einheimische als auch internationale Gesprächspartner in Dubai versichern, sei auch in früheren Golfkriegen stets ein relativ sicherer Hort geblieben, so im Irak-Iran-Krieg und nach dem Überfall des Iraks auf Kuwait. Rüstungsexperten zufolge verfügen die Emirate über eine der modernsten, mit westlicher Technologie ausgerüsteten Armeen der Golf-Region sowie über einen "effizienten und breit gefächerten" Geheimdienst, den CID. CID-Mitarbeiter sind nach Angaben aus diplomatischen Kreisen von Washington und London ausgebildet worden. Auch deutsche Bundesbehörden hätten die Agenten in der Personen-Observation geschult.

Belselah schließt Gefährdungen durch die Terroristen der El-Kaida ebenso aus wie Ausschreitungen von Fundamentalisten. Seine Mitarbeiter ergänzen, es habe bisher selbst beim "arabischen Reizthema Palästina" nur friedfertige Proteste gegeben. Aufwiegler droht in den Emiraten die sofortige Ausweisung.

Protestgruppen und vor allem Globalisierungs-Gegner seien aber generell "willkommen, soweit sie im Rahmen unserer Rechtsordnung demonstrieren", stellt Belselah klar. Er verspricht den Weltbank - und IWF-Gegnern sogar organisatorische Unterstützung.

Die auf Grund von Investitionen der Ölscheichs aufstrebende Hafenstadt Dubai und die Landeshauptstadt Abu Dhabi wollen durch eine technisch perfekte Organisation der Jahrestagung vor allem Imagepflege betreiben. "Die Konferenz ist eine einmalige Gelegenheit, Dubai als wichtigstes Finanzzentrum im Mittleren Osten zu etablieren" sagt Belselah. Dubai werde dabei für die gesamte Region werben: "Das Investitionsvolumen im Mittleren Osten beträgt nur 1,5 % der globalen Investitionen. Das muss sich ändern".

Der Finanzplatz Dubai war nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 ins Zwielicht geraten, da die Anschläge nach US-Angaben u.a. über ein Konto einer ausländischen Bankfiliale von Hintermännern in Dubai finanziert worden war.

Laut Anklageschrift im Terror-Prozess gegen Zacarias Moussaoui eröffnete der Terrorist Fayez Ahmed, der am 11. September 2001 im Flugzeug der United Airlines 175 in den Südturm des World Trade Centers stürzte, am 25. Juni 2001 ein Konto bei der Dubai-Filiale der Standard Chartered Bank, die sich selbst auf ihrer Website als "die führende Emerging Markets Bank der Welt" bezeichnet.

Eben dort eröffnete am selben Tag auch der nach US-Unterlagen mutmaßliche Hintermann des 11. September, Mustafa Ahmed al-Hawsawi, ein Konto. US-Prozessunterlagen zufolge war es "Mustafa Ahmad", der über dieses Konto und das Konto von Fayez Ahmed Gelder an die Hamburger Terrorzelle überwies, auch an Mohamed Atta und Marwan Al-Shehhi.

Am 11. September - als Fayez in den Südturm des World Trade Centers stürzte - setzte sich Al-Hawsawi von Dubai nach Pakistan ab. Am 13. September 2001 hob er nochmals Geld von seinem Konto ab - diesmal aus Karachi. Dann verliert sich seine Spur.

Sowohl die Standard Chartered Bank, die nach eigenen Angaben "sofort" mit den Terror-Fahndern kooperierte, als auch die Emirate haben aus dem Fall ihre Lehre gezogen. Die Zentralbank der Emirate lässt sich zurzeit von US-Behörden bei der Bekämpfung der Geldwäsche schulen. Auch der IWF hatte dem Land in der jüngsten Analyse zur Finanzstabilität der Emirate dabei Nachholbedarf bescheinigt.

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