Irak-Krise und Polit-Frust drücken auch 2003 auf die Konjunktur – Investitionen gehen zurück
Depression der Manager verfestigt sich

Die deutschen Führungskräfte sehen für den Standort Deutschland so schwarz wie nie zuvor. Zum Frust über den politischen Kurs der Regierung kommt nun die Angst vor einem Krieg im Irak.

DÜSSELDORF. Die PR-Strategen des Kanzlers hätten keine größeren Probleme, selbst aus den desolaten Dezember-Daten des Handelsblatt Business-Monitors noch etwas Positives herauszuquetschen. Eine regierungsamtliche Lesart würde in etwa so klingen: Eine Stimmungswende bei Top-Managern wird wahrscheinlicher - zumindest gab es im Dezember Zeichen einer Stabilisierung.

Näher an der Wirklichkeit ist freilich diese Interpretation: Die deutsche Wirtschaftselite ist Ende 2002 deprimiert wie nie seit Beginn der Umfragen im Jahr 1999. Dass sich der Abwärtstrend verlangsamt hat, kann über diese Tatsache nicht hinwegtäuschen.

Im Dezember rechnen gut vier von fünf Führungskräften damit, dass sich die Standortbedingungen in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern. Der Anteil der Pessimisten stieg um zwei Prozentpunkte auf den neuen Rekord von 82 %. Bereits in den beiden Monaten nach dem Wahlsieg von SPD und Grünen war die Stimmung erdrutschartig eingebrochen: Im Oktober schnellte der Anteil der Schwarzseher von 14 % auf 65 % hoch, im November sprang er abermals nach oben auf dann 80 %.

Die miserable Stimmung zieht sich durch alle Unternehmensgrößen. Besonders groß ist die Depression in der Bauwirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe. Der offenbar in Beton gegossene Pessimismus der Manager hat aus Sicht des Psephos-Instituts, das die Führungskräfte im Auftrag des Handelsblatts regelmäßig befragt, einen klaren Grund: Die Politik der Bundesregierung. Bereits ihr Wahlsieg hatte den Führungskräften viel Optimismus geraubt - die wirtschafts- und sozialpolitischen Weichenstellungen nach der Wahl haben den Frust noch gesteigert. In seiner Wucht bezieht sich der allerdings offenbar in erster Linie auf das allgemeine Erscheinungsbild. Bei differenzierterer Betrachtung zeigt sich ein anderes Bild, etwa bei der Ökosteuer: Immerhin 38 % tragen mit, dass Vergünstigungen abgeschafft werden.

Der drohende Irak-Krieg lässt die wirtschaftliche Nervosität der Manager deutlich stärker wachsen. Gut zwei Drittel glauben, dass die Kriegsgefahr für Wirtschaft und Börsen eine "sehr hohe" oder zumindest "eher hohe" Belastung darstellt. Auffällig dabei: Die Manager von Großunternehmen sehen die Lage ein ganzes Stück gelassener als ihre Kollegen aus kleinen und mittleren Unternehmen. Quer durch alle Unternehmensgrößen wünschen sich die befragten Manager jedoch, dass ein Krieg vermieden wird. Die USA sollten mehr Gewicht auf eine friedliche Lösung des Konflikts legten, fordern 81 %. Besonders heikel gestaltet sich dabei die Frage der Energiepreise: Neun von zehn Managern befürchten durch Irak-Krieg und Ökosteuer eine Kostenlast, die das deutsche Wirtschaftswachstum um wenigstens 0,25 Punkte drücken wird. Kein Wunder, dass sich die Führungskräfte bei so viel Frust und Unsicherheit entsprechend verhalten: Das Investitions- und das Beschäftigungsklima haben sich im Dezember weiter verschlechtert. So planen inzwischen 55 % der Befragten, ihre Investitionen 2003 zurückzufahren, gegenüber November ein Plus von zwei Punkten. Bloß 8 % wollen ihre Investitionen noch erhöhen.

Noch stärkere Einschnitte als bei den Investitionen planen die Manager bei der Beschäftigung: 58 % wollen in den nächsten zwölf Monaten Jobs streichen, gegenüber November ein Plus von drei Punkten. Nur noch 7 % wollen dagegen neue Arbeitnehmer einstellen. Am ausgeprägtesten sind die Streichpläne der Bauwirtschaft, hier wird es in drei von vier Betrieben Entlassungen geben. Besondere Besorgnis erregt dabei, dass selbst die Dienstleistungsbranche im nächsten Jahr als Jobmotor ausfallen dürfte: 54 % der Manager aus diesem Sektor planen Entlassungen, nur 9 % Neueinstellungen.

Insgesamt lassen diese Daten die von vielen Wirtschaftsforschern erhoffte Wende etwa bei den Investitionen fraglich erscheinen - womit das Risiko steigt, dass die Konjunkturprognosen für das nächste Jahr einmal wieder zu optimistisch ausgefallen sind.

Quelle: Handelsblatt

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