Irak mit Propagandaoffensive: US-Militär will Truppen am Flughafen rasch verstärken

Irak mit Propagandaoffensive
US-Militär will Truppen am Flughafen rasch verstärken

Noch in der Nacht zum Samstag sollen die US-Truppen verstärkt werden, die den Flughafen bei Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht haben. US-Kommandeure vor Ort teilten am Freitagabend

Reuters BEI BAGDAD. Reuters-Reporter Luke Baker mit, die Soldaten der 3. Infanteriedivision auf dem Internationalen Flughafen von Bagdad würden in den nächsten Stunden bereits von einigen hundert Soldaten aus der 101. Luftlandedivision und dem 94. Bataillon, einer Ingenieureinheit, verstärkt.

Der Flughafen liegt rund 20 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums und gilt als strategisch bedeutsam bei der erwarteten Großoffensive zur Eroberung Bagdads durch die Verbündeten. Derzeit sollen sich 1500 US-Soldaten auf dem Flughafen befinden, den die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben in der Nacht zum Freitag unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Aus US-Militärkreisen verlautete, bei den Gefechten mit den irakischen Verteidigern sei mindestens ein US-Soldat getötet worden, mindestens vier seien verwundet worden. In Bagdad gab es am Abend wieder Explosionen und Flugabwehrfeuer. Das Donnern schwerer Geschütze aus der Richtung des Flughafens war dort ebenfalls zu hören, berichteten Reuters-Reporter.

Nach den Erfolgsmeldungen der US- Truppen über ihren Vormarsch auf Bagdad hat das irakische Regime am Freitag eine propagandistische Offensive gestartet. In einer vom irakischen Fernsehen übertragenen Rede an die Nation rief Machthaber Saddam Hussein die Einwohner der Hauptstadt zum Widerstand gegen das heranrückende US-Militär auf. Danach zeigte das Fernsehen minutenlang Aufnahmen von Saddam in einer jubelnden Menge auf der Straße. Wann die Bilder aufgenommen wurden und ob es sich tatsächlich um Saddam oder einen möglichen Doppelgänger handelte, war zunächst unklar.

Pentagon: Sind nicht sicher, dass Saddam lebt

Das Pentagon ist weiterhin nicht sicher, ob Saddam noch am Leben ist oder nicht. "Wir wissen nicht, woher die Aufzeichnung kommt und wann sie entstand", sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke am Abend in Washington. Sie fügte hinzu, dass die Klärung dieser Frage auch nicht entscheidend sei. "Was zählt, ist, inwieweit dieses Regime noch Kontrolle über das Land hat", sagte die Sprecherin. "Und wir sehen, dass es diese Kontrolle weitgehend verloren hat."

Am Abend kam es nach neuen Angriffen der US-Truppen auf die irakische Hauptstadt im Zentrum Bagdads zu Schießereien. Aus dem Regierungsviertel und dem Umfeld des Präsidentenpalastes gebe es Feuerstöße aus Sturmgewehren und schweren Maschinengewehren, berichteten dpa-Korrespondenten. Es waren die ersten Schießereien im Zentrum Bagdads seit dem Beginn des Krieges vor mehr als zwei Wochen. Zugleich war im Stadtzentrum vom Süden und Westen her heftiger Gefechtslärm zu hören. Offensichtlich flog die US- Luftwaffe massive Angriffe gegen Ziele am Stadtrand und gegen das westliche Umland Bagdads, wo sich auch der internationale Flughafen befindet.

Die USA wollen nach Medienberichten den Sieg im Irak selbst dann erklären, wenn Bagdad noch nicht voll unter US-Kontrolle ist. Eine Übergangsverwaltung könne schon in der nächsten Woche ernannt werden, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf das Pentagon. Dabei soll es offenkundig nicht zu einem blutigen Häuserkampf kommen. "Das Ziel ist nicht unbedingt, Gebäude einzunehmen und Gegenden zu besetzen", zitierte die "Washington Post" einen Pentagonbeamten. Das Militär wolle Bagdad isolieren und das Regime für "irrelevant" erklären, selbst wenn Saddam noch lebe, berichtete CNN. US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair wollen das weitere Vorgehen im Irak am kommenden Montag und Dienstag in Nordirland besprechen.

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