Iraker sollen Gegner schwere Verluste beibringen
Hussein gewinnt wieder Oberwasser

Der irakische Staatschef Saddam Hussein hat nach den ersten Verlusten auf Seiten der Alliierten offenbar wieder Oberwasser gewonnen. Am Montag präsentiert er sich seinen Landsleuten mit neuem Selbstbewusstsein im Fernsehen.

HB/dpa KAIRO. Anders als bei seinem ersten Fernsehauftritt nach Kriegsbeginn trägt er diesmal keine Brille. Die Botschaft an seine Landsleute ist im Prinzip die gleiche, die er ihnen schon seit Wochen zu vermitteln versucht: Die Amerikaner sind technologisch überlegen, aber wir werden sie mit unserem Mut, unserer Kampferfahrung, unserer Zähigkeit und Gottes Hilfe trotzdem besiegen.

In seiner Ansprache wird die Strategie deutlich, mit der er die militärisch überlegenen Angreifer in die Knie zwingen will. "Ihr sollt ihnen so schwere Verluste beibringen, wie nur irgend möglich", bittet er die Iraker. Dann, so verspricht ihnen Saddam, werde der Feind eines Tages die Geduld verlieren und abziehen. Die Iraker selbst müssten geduldig bleiben und sollten sich seelisch auf verstärkte Luftangriffe vorbereiten.

Botschaft von der Überlegenheit der irakischen Gotteskrieger

Um seine Botschaft von der "Überlegenheit" der "irakischen Gotteskrieger" zu untermauern, erwähnt er den Widerstand im Hafen von Umm el Kasr sowie die "schweren Verluste", die man den amerikanischen und britischen Einheiten bereits zugefügt habe. Dass er in seiner Rede mehrere Kommandeure namentlich nennt und ihren "Heldenmut" lobt, könnte nach Einschätzung eines arabischen Beobachters eine verschlüsselte Nachricht gewesen sein: "Entweder wollte er dadurch etwas mitteilten, oder er wollte sie namentlich erwähnen, um die Amerikaner davon abzuhalten, diese an strategisch wichtigen Orten eingesetzten Offiziere zur Aufgabe zu bewegen.

Saddam spricht auch von Geduld, die seine Regierung in den vergangenen Monaten mit den UN-Inspekteuren gezeigt habe. Dies könnte er nach Meinung ausländischer Irak-Experten erwähnt haben, um Argumente von Irakern zu widerlegen, die ihm und seinem Regime die Schuld für den amerikanisch-britischen Angriff geben. Das amerikanische Kriegsziel des Regimewechsels klammert der irakische Staatschef dagegen völlig aus. Für ihn ist wichtig, den Krieg als Konfrontation zwischen Invasoren und dem gesamten irakischen Volk darzustellen, der nicht etwa durch seinen Rücktritt beendet werden könnte.

Auf einzelne Ereignisse der vergangenen zwei Tage, die aus irakischer Sicht wichtig waren, geht Saddam nicht ein. So erwähnt er die vom irakischen Fernsehen gezeigten getöteten und gefangenen Soldaten und den abgestürzten US-Kampfhubschrauber nicht. Dass er die Luftangriffe auf Basra, El Muthanna und Mosul dagegen ausdrücklich erwähnt, deutet allerdings darauf hin, dass es sich bei seiner Rede nicht um eine schon vor längerer Zeit aufgezeichnete Ansprache handelt. Live trägt er seine Rede nicht vor. Das verraten einige deutlich sichtbare Schnitte.

Der militärische Teil der Rede des irakischen Machthabers und die wenigen gesicherten Informationen über das Kampfgeschehen deuten darauf hin, dass die irakische Führung ungewöhnliche Methoden anwendet, um die von den Alliierten möglicherweise geplante Spaltung zwischen Elite-Einheiten, regulärer Armee und Milizen zu vereiteln.

So lassen bruchstückhafte Informationen darauf schließen, dass zumindest im Südirak Angehörige der Baath-Partei und der gefürchteten Fedajjin Saddam mit regulären Truppen zusammen kämpfen - möglicherweise um einzelne Einheiten an der Kapitulation zu hindern.

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