Irakische Geiselnehmer waren Asylbewerber
Berlin prüft Sicherheit vor Botschaften

Nach der Geiselnahme in der irakischen Botschaft in Berlin hat die Innenbehörde eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in der Hauptstadt angekündigt.

Reuters BERLIN. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte dem Berliner Inforadio am Mittwoch, seine Behörde werde eine neue Gefahrenanalyse vornehmen und überlegen, ob zusätzliche Polizeikräfte vor den Botschaften in Berlin patrouillieren sollten. Bisher habe man nicht damit rechnen können, dass ausgerechnet die irakische Botschaft gefährdet sei. Mitglieder einer bislang unbekannten irakischen Oppositionsgruppe hatten am Dienstag die Botschaft ihres Landes in Berlin besetzt und mehrere Geiseln genommen, darunter den Leiter der Vertretung. Die Polizei befreite die Geiseln am Abend unverletzt. Die fünf Besetzer wurden von zwei Sondereinheiten (SEK) überwältigt und festgenommen.

Bei den Männern handele sich um Asylwerber im Alter von 32 bis 43 Jahren, sagte ein Polizeisprecher. Vier von ihnen seien seit März dieses Jahres in Berlin registriert, einer seit rund einem Jahr. Die Männer hätten sich zu der Tat bisher nicht geäußert. Sie würden voraussichtlich im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt.

Nach Polizeiangaben hatten die Geiselnehmer bei ihrer Festnahme keine Gegenwehr geleistet. Einem der Besetzer hätten die Polizisten eine scharfe tschechische Pistole vom Kaliber acht Millimeter aus der Hand geschlagen. Die Iraker seien zudem mit zwei Gaswaffen, einem Elektroschocker und einem Beil bewaffnet gewesen. Während der Besetzung seien zwei Schüsse abgegeben worden. Ein Botschaftsangehörige sei durch eine Gaswaffe verletzt worden, eine Frau habe einen Schock erlitten.

Zu der Besetzung hatte sich die bisher unbekannte "Demokratische Irakische Opposition Deutschlands" bekannt. In einem an die Nachrichtenagentur Reuters adressierten Fax der "Demokratischen Irakischen Opposition Deutschlands" hieß es: "Wir übernehmen die irakische Botschaft in Berlin und somit den ersten Schritt in Richtung der Befreiung unseres geliebten Vaterlandes." Die Aktion sei friedlich und zeitlich begrenzt. In einem weiteren Fax mit der selben Absenderkennung hieß es am Mittwoch, die Bundesregierung lasse aus wirtschaftlichen Interessen "Saddam Husseins Agenten und Killer frei schalten und walten". In irakischen Oppositionskreisen hieß es, mit der Besetzung werde auch gegen die Haltung Deutschlands zu einem möglichen US-Angriff auf den Irak protestiert.

Die Botschaft wurde von der Berliner Polizei nicht ständig bewacht, sondern nur in unregelmäßigen Abständen von Streifen angefahren.

USA verurteilen Geiselnahme als inakzeptabel

Die USA verurteilten die Geiselnahme. Der Sprecher des US-Präsidialamts, Ari Fleischer, sagte in Crawford im Bundesstaat Texas, derartige Aktionen seien inakzeptabel. "Sie untergraben legitime Versuche von Irakern innerhalb und außerhalb Iraks, einen Regierungswechsel in Irak herbeizuführen." Die Besetzer-Gruppe sei den USA bisher weder bekannt gewesen noch habe man Kontakt zu ihr unterhalten.

Der Irak hatte zuvor die Besetzung seiner Botschaft als terroristische Aggression von Söldnern des israelischen und amerikanischen Geheimdienstes bezeichnet. Mit diesen Worten bezeichnete auch der Geschäftsführer der irakischen Botschaft, Schamil Mohammed, die Geiselnehmer. Der Diplomat, der ebenfalls als Geisel genommen worden war, sagte: "Sie haben immer per Handy mit irgendwelchen Leuten telefoniert."

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