Irakische Ölindustrie
Rolle ausländischer Firmen ungewiss

Die Zukunft der irakischen Ölindustrie ist von entscheidender Bedeutung für den Wiederaufbau, die wirtschaftliche Gesundung sowie die Rückzahlung der riesigen Auslandsschulden des Landes. Die große Frage, ob und in welcher Form in der seit Jahrzehnten verstaatlichten irakischen Ölindustrie ausländische Mineralölriesen wie ExxonMobil, ChevronTexaco, BP oder Royal Dutch/Shell künftig mitmischen dürfen, ist bisher ungeklärt.

HB/dpa NEW YORK. Washington schweigt sich hierzu ebenso aus wie die Firmen selbst. Genau so unklar ist, ob französische oder russische Ölkonzerne, die teilweise mit Saddam Hussein lukrative Fördervereinbarungen getroffen hatten, wegen der Haltung ihrer Länder zum Irak-Krieg von den USA blockiert werden.

"Der Irak ist eine reiche Nation", betonte US-Regierungssprecher Ari Fleischer kürzlich. "Der Irak wird eine riesige Finanzbasis haben, auf die er sich stützen kann. Und sie basiert auf dem Ölreichtum." US-Präsident George W. Bush hat immer wieder versichert, dass der Ölreichtum den Irakern selbst zu Gute kommen solle. In welcher Form dies geschehen soll, hat er aber bisher offen gelassen.

Der Irak verfügt über die zweit- oder drittgrößten Ölreserven der Welt. Sie liegen zwischen 123 Mrd. Barrel und relativ utopischen Schätzungen von 300 Mrd. Barrel. Die Ölproduktion lag vor dem Irak-Krieg bei etwa zwei Mill. Barrel pro Tag und vor dem Golfkrieg 1991 bei 3,5 Mill. Barrel pro Tag.

Muhammad-Ali Zainy, ein irakischer Ölexperte, schätzte nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Fortune", dass die Aufstockung der irakischen Ölförderung auf 3,5 Mill. Barrel pro Tag in den kommenden zwei bis drei Jahren Investitionen von fünf Mrd. Dollar erfordern würde. Bei weiteren Milliardeninvestitionen könnte die irakische Produktion bis 2009 auf sieben Mill. Barrel pro Tag verdoppelt werden. Zainy setzte sich für eine aktive Rolle von Ölfeldausrüstern wie der US-Firma Halliburton und von Produzenten wie ChevronTexaco und ExxonMobil ein.

Der ehemalige irakische Ölminister Issam al-Chalabi stimmt nach Angaben des Magazins zu, dass Ölfeldausrüster eingeschaltet werden sollten. Es sollten aber mehrere Jahre vergehen, ehe große Produzenten in den Irak gelassen werden. Eine zukünftige irakische Regierung sollte eine Chance erhalten und entscheiden, wie und wann ausländische Firmen beteiligt werden, betonte er.

Der Irak könnte je nach Förder- und Ölpreisentwicklung zwischen 18 und 25 Mrd. Dollar Öleinnahmen pro Jahr erzielen. Die Ölexporte laufen wegen der UN-Sanktionen seit 1996 im Rahmen des "Öl für Lebensmittel"-Programms der Vereinten Nationen. Es ruht momentan wegen des Irak-Kriegs. Wegen der UN-Sanktionen durften bisher auch keine ausländischen Ölkonzerne Exploration im Irak betreiben.

"Wie der Irak seine Ölmittel aufteilt, bleibt abzuwarten. Aber es muss Auslandsinvestitionen geben, um die Ölindustrie aufzumöbeln", erklärte ein US-Regierungsvertreter der "New York Times". Washington hatte Halliburton, deren früherer Chef Dick Cheney heute US- Vizepräsident ist, kürzlich den Auftrag für das Löschen der Brände in den Ölfeldern um Basra gegeben. Die irakische Ölindustrie hat nach zwei Jahrzehnten unzureichender Investitionen erheblich gelitten. Der Irak könnte deshalb die Expertise und Milliardenmittel ausländischer Ölfirmen bei den Reparaturen und der Modernisierung gut gebrauchen.

Die Baufirmen Fluor, Washington Group International und Parini haben nach Angaben der "New York Times" jeweils Aufträge über 100 Mill. Dollar für erste Reparaturarbeiten im Irak erhalten. Die Vergabe eines umfassenden ersten Wiederaufbauvertrages von 600 Mill. Dollar steht jedoch noch aus. Die beiden Baufirmen Bechtel und Fluor könnten dafür in der Endauswahl stehen. Der Wiederaufbau des Irak könnte Aufträge im Gesamtwert von 25 Mrd. Dollar bedeuten, berichtete die "New York Times".

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