Irakische Übergangsregierung im Juni
Garner ruft zum Neubeginn im Irak auf

Im Irak soll bereits innerhalb der nächsten sechs Wochen eine Art Übergangsregierung gebildet werden. Nach dem bislang größten Treffen von früheren Regimegegnern in Bagdad sagte der Berater von US-Präsident George B. Bush, Zalmay Khalilzad, am Montag, bei einem weiteren Treffen Anfang Juni im Nordirak solle eine Art irakischer Übergangsregierung "ausgewählt und gewählt" werden.

HB/dpa BAGDAD/DOHA. Auf der Konferenz in Bagdad rief der US-Verwalter Jay Garner zu einem Neubeginn im Irak auf. "Lasst uns heute, am Geburtstag von Saddam Hussein, einen demokratischen Prozess für die Kinder des Iraks starten", sagte Garner.

Auch US-Präsident Bush rief zum Aufbau eines demokratischen Iraks auf. Vor Amerikanern arabischer Abstammung in Dearborn bei Detroit (Bundesstaat Michigan) sagte Bush, die USA hätten nicht die Absicht, dem Irak ihre Kultur und ihre Regierungsform aufzuzwingen. "Aber wir werden sicherstellen, dass alle Iraker eine Stimme in der neuen Regierung haben und die Rechte aller Bürger geschützt sein werden." Der Präsident forderte die Vereinten Nationen erneut auf, die Sanktionen gegen Bagdad aufzuheben.

Das Treffen in der irakischen Hauptstadt, das die Amerikaner bewusst auf den 66. Geburtstag von Saddam Hussein gelegt hatten, fand wegen befürchteter Anschläge unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die US-Soldaten, die den Eingang des Konferenzgebäudes bewachten, wirkten extrem nervös, wie eine dpa-Korrespondentin aus Bagdad berichtete. Rund 3000 Anhänger einer schiitischen Religionsschule demonstrierten gegen die Konferenz.

An dem Treffen beteiligten sich rund 250 irakische Politiker, Religionsgelehrte und Stammesführer. Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe, der Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), entsandte laut US-Zentralkommando zwei Delegierte nach Bagdad. Das erste Oppositionstreffen vor zwei Wochen in der südirakischen Stadt Nasirija hatte der SCIRI boykottiert. Zur Begründung hieß es damals, die Amerikaner wollten den Nachkriegs-Irak dominieren.

"Wir haben die Chance für Eure Söhne, Töchter und Enkelkinder, sicher und frei zu sein, und die Möglichkeit, in Frieden und Wohlstand zu leben", sagte Garner in Bagdad. "Lasst uns diese Chance nicht verspielen." Der US-Verwalter rief die Iraker auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. "Bevor wir mit dem Wiederaufbau beginnen können, müssen wir die Sicherheit wiederherstellen." "Wir haben noch einen langen Weg vor uns", mahnte Garner.

Stürmische Diskussion gab es im Saal vor allem darüber, wie lange die Amerikaner im Land bleiben sollten. Von der US-Armee forderten die Delegierten vor allem die Wiederherstellung der Sicherheit auf den Straßen. Unter den Delegierten waren auch mehrere als gemäßigt geltende schiitische Religionsgelehrte. Einer von ihnen, Scheich Haitham el Sahlani, sagte auf die Frage, nach der Rolle des Islam in der noch zu schreibenden neuen irakischen Verfassung: "Ob dies ein säkularer oder ein islamischer Staat wird, darüber wird an den Wahlurnen entschieden."

"Viele Religionsgelehrte haben den Amerikanern für den Sturz Saddam Husseins gedankt", sagte Nasir Cheidirdschi von der Nationalen Demokratie-Partei, die in den 60er Jahren im Irak verboten worden war. Prinz Rabia Mohammed Habib, der Führer des El-Rabia-Stammes aus Kut sagte: "Ich würde es bevorzugen, wenn die Amerikaner zunächst selbst eine Regierung bilden würden mit irakischen Beratern, denn wir brauchen ihre Hilfe im Moment noch dringend."

Der Sprecher der Partei von Kurdenführer Massud Barsani, Hoschiar Sebari, erklärte, im Irak müsse es unbedingt eine Aufarbeitung der Verbrechen des alten Regimes geben, ähnlich wie in Südafrika. Weiter sagte er, die Amerikaner sollten zwei Jahre im Irak bleiben, "solange bis wir eine stabile Regierung haben". Unterdessen besuchte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld das US-Zentralkommando in Doha (Katar). "Er (der Irak-Krieg) wird in der Geschichtsschreibung sicherlich seinen Platz neben dem Fall der Berliner Mauer erhalten", sagte er. Die US-Soldaten in Doha bereiteten Rumsfeld einen begeisterten Empfang. Rumsfeld wird auch im Irak erwartet, wo er sich bei den US-Soldaten für ihren Einsatz im Krieg bedanken will. Eine Erklärung zum Ende der Kämpfe wird am Donnerstag (1. Mai) erwartet. Dann hält Präsident Bush eine Rede auf dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln".

Von Saddam fehlte weiter jede Spur. Nach Informationen des Oppositionspolitikers Ahmed Chalabi ist er am Leben und hat auf der Flucht eine Sprengstoffweste dabei. Saddam habe nach Angaben des früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Tarik Asis zwei gezielte Bombenangriffe überlebt, berichtete die Tageszeitung "USA Today". Asis hatte sich vergangenen Donnerstag dem US-Militär gestellt.

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