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Iraks Premier erwägt Notstandsgesetze

Bagdad/Falludscha (dpa) - Im Irak sind am Wochenende bei einem US-Luftangriff sowie einer Serie von Bombenanschlägen und anderen Zwischenfällen mehr als 30 Menschen getötet worden. Wegen der schlechten Sicherheitslage stellte Ministerpräsident Ijad Allawi am Sonntag die Verhängung von Notstandsgesetzen in einigen Problemregionen in Aussicht.

Bagdad/Falludscha (dpa) - Im Irak sind am Wochenende bei einem US-Luftangriff sowie einer Serie von Bombenanschlägen und anderen Zwischenfällen mehr als 30 Menschen getötet worden. Wegen der schlechten Sicherheitslage stellte Ministerpräsident Ijad Allawi am Sonntag die Verhängung von Notstandsgesetzen in einigen Problemregionen in Aussicht.

Gesundheitsminister Aladdin Alwan entging in der Nacht zum Sonntag nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders El Dschasira einem Attentatsversuch. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

«Wir erwägen, diese an Orten zu verhängen, wo es nötig sein könnte», sagte Allawi, dessen Übergangsregierung ab dem 30. Juni formal die Souveränität ausüben wird. Sein Kabinett wolle verstärkt gegen die «Netzwerke des Bösen» vorgehen.

Am Samstag bombardierte das US-Militär in der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha ein Haus, das nach US-Angaben dem als Top-Terroristen gesuchten Jordaniers Abu Mussab el Sarkawi als Versteck und Waffenlager diente. Dabei starben nach Angaben von Krankenhausärzten 21 Menschen. US-General Mark Kimmitt sagte, es sei unklar, ob El Sarkawi unter den Getöteten sei. El Sarkawi soll in Verbindung zu El Kaida stehen. Eine Serie von Explosionen nach dem Luftschlag habe bewiesen, dass in dem Gebäude große Mengen an Waffen und Sprengstoff gelagert worden seien, erklärte Kimmitt.

Augenzeugen in Falludscha erklärten dagegen, unter den Todesopfern seien Frauen und Kinder. Anwohner, die Hilfe leisten wollten, seien bei einem zweiten Luftschlag getroffen worden. Es war der schwerste Angriff seit dem Abzug der US-Armee aus Falludscha Anfang Mai.

In der nordirakischen Stadt Samarra wurden nach unterschiedlichen Angaben am Sonntag bis zu fünf Polizisten getötet. Die irakische Polizei sprach von einem US-Luftangriff. Drei weitere Polizisten seien verletzt worden. Die Beamten hätten ein Haus von Innenminister Falah el Nakuib bewacht. Die US-Armee habe die Wachleute von einem Hubschrauber beschossen. Wenige Stunden zuvor hätten die Soldaten das zentrale Polizeigebäude von Samarra angegriffen und zerstört. Die Polizei wollte ein Versehen nicht ausschließen.

Ein Sprecher der US-Armee in Tikrit sagte dagegen, Aufständische hätten in der Nacht zum Sonntag das Hauptquartier des Zivilschutzes in Samarra beschossen. Außerdem habe eine US-Hubschrauberbesatzung zwölf Aufständische in der Stadt beim Anbringen eines Sprengsatzes beobachtet und daraufhin vier von ihnen getötet.

In Bagdad starben am Sonntag bei der Explosion eines Sprengsatzes nahe der Zentralbank drei Iraker, sieben wurden verletzt. In der Ortschaft El Tus bei Tikrit töteten Unbekannte einen Clanchef des El- Bajat-Stammes und dessen Leibwächter.

Bei Basra kamen am Samstag ein Portugiese, der für eine private Sicherheitsfirma arbeitete, und ein Iraker durch einen Sprengsatz ums Leben. Ein weiterer Iraker und ein Inder seien dabei verletzt worden, bestätigte die britische Armee. Bei zwei weiteren Zwischenfällen starben - wie am Samstag bekannt wurde - am Freitag zwei US-Soldaten.

Ein US-Soldat erlag seinen Verletzungen, die er am Freitag in einem Gefecht in Buhriz, 60 Kilometer nördlich von Bagdad, erlitten hatte. Dies teilte das US-Militärkommando am Sonntag mit. Ein Soldat wurde Samstag von Aufständischen in der Provinz El Anbar getötet.

Am Sonntag starb ein Iraker in seinem Auto, als südlich von Bagdad eine Bombe neben einem US-Militärkonvoi explodierte. In der Pilgerstadt Nadschaf töteten Unbekannte am selben Tag nach Polizeiangaben ein Ex-Mitglied der Baath-Partei von Saddam Hussein.

In der Stadt El Jussifija nahe Bagdad tauchte eine Todesliste mit 50 Namen angeblicher «Kollaborateure» auf. Darauf hieß es, die Genannten seien Spione oder arbeiteten mit der Besatzungsmacht zusammen und müssten sterben. Drei der genannten Männer waren vergangene Woche getötet worden.

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