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Iran stoppt Programm zur Urananreicherung

Die Bekanntgabe des Stopps der Urananreicherung in Iran ist am Montag von US-Präsident George W. Bush vorsichtig optimistisch bewertet worden. „Es scheint Fortschritte zu geben, aber das muss überprüft werden“, sagte Bush bei einem Kurzbesuch in Kolumbien.

dpa WIEN/BOGOTÁ. Die Bekanntgabe des Stopps der Urananreicherung in Iran ist am Montag von US-Präsident George W. Bush vorsichtig optimistisch bewertet worden. "Es scheint Fortschritte zu geben, aber das muss überprüft werden", sagte Bush bei einem Kurzbesuch in Kolumbien.

Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Organisation (Iaeo) hatten am Morgen mit der Versiegelung der ihnen bekannten Atomanlagen begonnen, die künftig von der Wiener UN-Behörde überwacht werden sollen. Iaeo-Generaldirektor Mohammed el Baradei bestätigte in Wien, dass Teheran sein umstrittenes Atomprogramm, wie vor einer Woche angekündigt, eingestellt habe. "Ich glaube, dass das (Programm) zum Stillstand gekommen ist", sagte er.

Der iranische Regierungssprecher Abdullah Ramesansadeh warnte jedoch, dass sein Land die Urananreicherung wieder aufnehmen werde, falls Verhandlungen mit der EU über ein umfassendes politisches und wirtschaftliches Abkommen scheitern sollten. Die Aussetzung des Atomprogramms sei "freiwillig" und solle verhindern, dass Iran international als "Kriegstreiber" beschuldigt werde.

Bundesaußenminister Joschka Fischer äußerte die Hoffnung auf eine "belastbare" Einigung im Atom-Streit mit Teheran. Dies sei ein "schwieriger Prozess", der "mit Realismus" angegangen werden müsse, sagte Fischer nach seiner Ankunft bei der Irak-Konferenz im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich. Der Stopp der Urananreicherung müsse von der Iaeo überprüft und auch in Zukunft überwacht werden, sagte Fischer. Im Dezember müssten dann die Verhandlungen zwischen der EU und Iran über ein umfassendes Abkommen beginnen.

Der Schritt Teherans kam drei Tage vor der mit Spannung erwarteten Tagung des Iaeo-Gouverneursrats in Wien, auf der Iran erneut im Mittelpunkt steht. Das aus Vertretern der 35 Mitgliedsländer zusammengesetzte Gremium hatte Teheran im September ultimativ aufgefordert, die Urananreicherung zu stoppen. Andernfalls könnte der "Fall Iran" dem UN-Sicherheitsrat übergeben werden, wo Teheran Sanktionen drohen. Insbesondere die USA haben Iran beschuldigt, ein geheimes Programm zum Bau von Atombomben zu betreiben.

Iaeo-Chef El Baradei räumte am Montag ein, dass seine Atombehörde noch keinen vollständigen Überblick über den Umfang der iranischen Maßnahmen habe. Sämtliche Atomanlagen Teherans würden jetzt versiegelt um sicherzustellen, dass auch alle Aktivitäten zur Urananreicherung beendet seien. El Baradei bestätigte, dass iranische Wissenschaftler in den vergangenen vier Wochen etwa zwei Tonnen Uran- Hexafluorid (UF6) produziert hätten, das Voraussetzung für die Urananreicherung in Gas-Zentrifugen ist. Damit lassen sich rund 15 Prozent der Menge hochangereicherten Urans produzieren, die zur Herstellung einer Atombombe nötig seien.

Iran hatte sich am 15. November in einem Abkommen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien verpflichtet, das 18 Jahre lang geheim gehaltene Programm bis zum Abschluss einer umfassenden Vereinbarung mit der EU vollständig auszusetzen.

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