Iran und Irak wollen Ölförderung senken
Ölpreis soll Druckmittel werden

An den internationalen Energiemärkten keimt eine neue Sorge. Der Irak und Iran haben am Dienstag angekündigt, "Öl als Waffe" im Nahost-Konflikt einzusetzen. Damit werden Erinnerungen an das Ölembargo von 1973 wach - in einer Zeit, da die Erdölpreise ohnehin schon auf dem höchsten Stand seit August 2001 notieren.

jsn/rp DÜSSELDORF. Das Nordseeöl Brent, der Preisführer in Europa, hat die psychologisch wichtige 25-Dollar-Marke klar überschritten. Am Dienstag notierte es sogar mit mehr als 26 Dollar (siehe Grafik). Preistreibend wirkte, dass die Opec-Staaten zusammen mit wichtigen kartellungebundenen Exporteuren die Produktion gedrosselt haben. Und bereits heute antizipieren die Ölmärkte eine Nachfragesteigerung in der zweiten Jahreshälfte für den Fall einer konjunkturellen Belebung. Darüber hinaus haben die USA einen Rückgang der Rohöl-Lagerbestände gemeldet.

Aber auch die Sorge, dass die Öllieferungen aus dem Nahen Osten unterbrochen werden könnten, ist zum Teil schon eingepreist. Klaus Matthies, Ölexperte des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitutes HWWA, sagte am Dienstag: "Rohöl würde etwa drei Dollar niedriger notieren, wenn die Krise nicht wäre." Bisher haben dabei vor allem Befürchtungen eine Rolle gespielt, der Irak könnte als Öllieferant ausfallen. Dieser Ausfall hätte nahezu problemlos durch andere Ölstaaten aufgefangen werden können. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt die ungenutzten Reserven auf rund sechs Millionen Barrel. Der größte Anteil davon liegt im Nahen Osten, ein Teil liegt auch in Venezuela.

Zweischneidiges Schwert

Nun haben sich aber der Irak und Iran dafür ausgesprochen, Öl als Druckmittel im Nahost-Konflikt einzusetzen. Der iranische Außenminister Kamal Charrasi hatte in Kuala Lumpur gesagt: "Öl als Waffe würde sicherlich sehr wirksam sein." Die Folge wäre ein Ausfall der Weltölförderung in Höhe von rund 30 Prozent. Doch dazu müssten sich erst einmal alle islamischen Länder einig werden. Die Chancen dafür werden bei Analysten als gering geschätzt. Auch Kuwait hat bereits abgewunken. "Das ist ein zweischneidiges Schwert, das uns mehr schaden würde als den USA", sagte ein Delegierter bei einer Tagung in Kuala Lumpur.

Heiko Elfert vom Erdöl Energie Informationsdienst (EID) hält eine Einigung ebenfalls für fraglich: "Es wird nicht einfach sein." Und mit Iran und dem Irak hätten sich bislang nur die "Hardliner" geäußert. Sollte es aber zu einer Einigung kommen, würde der Ölpreis weiter steigen. Und das Londoner Zentrum für Energiestudien, CGES, befürchtet gar eine "Ölpreisexplosion", falls die Opec ihre Förderung zur Jahresmitte nicht aufstocken sollte.

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