Irgendwie blieb Mühlegg seltsam
Porträt: Einmal König und zurück

Erst die "Spiritisten-Affäre", nun ein Dopingverdacht: Johann Mühleggs in jeder Hinsicht schillernde Karriere hat nach unglaublichen Höhenflügen wieder einen jähen Absturz erlebt.

dpa SALT LAKE CITY. "Er kann sich wohl nur selbst besiegen", meinte der Oberwiesenthaler Rene Sommerfeldt einmal über den in Marktoberdorf geborenen Hünen der Loipe. Mit der positiven A-Probe bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City hat der 31-Jährige damit begonnen, sein eigenes Denkmal zu zerstören - und gleichzeitig ein weiteres Kapitel an Negativ-Schlagzeilen geschrieben.

Schon 1994 war der hochtalentierte Allgäuer erstmals ins Gerede gekommen, als er dem damaligen deutschen Bundestrainer Georg Zipfel vorgeworfen hatte, ihn "spiritistisch" beeinflusst zu haben. Die Krise eskalierte, als Mühlegg bei der Weltmeisterschaft 1995 in Thunder Bay trotz vorher vereinbarten Stillschweigens die Anschuldigungen wiederholte. Daraufhin wurde er aus dem Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) suspendiert und vorzeitig nach Hause geschickt.

Mühlegg führte auf Reisen stets eine Ration Wasser mit, das von der portugiesischen Putzfrau Justina Agostinho, von Mühlegg als seine "Gnade" bezeichnet, geweiht worden war. Auch in Salt Lake City ist die Frau dabei.

Nach der endgültigen Trennung vom DSV 1998 wurde der Modell-Athlet auf der Suche nach einem neuen Verband in Spanien fündig. Für seine Wahlheimat geht Mühlegg seit 1999 an den Start. Er eilte von Erfolg zu Erfolg, doch der erste Streit ließ nur ein Jahr auf sich warten. In einem verbalen Rundumschlag warf er seinem italienischen Trainer Carlo Petrini "Mafia-Methoden" vor und riskierte damit sogar den Ausschluss aus dem Team. "Mühlegg hat die Orientierung verloren", kommentierte die Sportzeitung "Marca" damals.

Auch die deutschen Beobachter hatten sich zuweilen über den Neu- Spanier gewundert. In der Saison 1999/2000, als er den Gesamt-Weltcup gewann, wollte er mit deutschen Journalisten nicht mehr sprechen, stattdessen konzentrierte sich "Juanito" ganz auf seine neuen spanischen Freunde.

Doch schließlich schien sich alles zum Guten zu wenden. 2001 wurde Mühlegg in Lahti Weltmeister über 50 km, und er sprach auch wieder mit allen. An einem allerdings ließ er nie einen Zweifel: Er wollte nie mehr für Deutschland starten. Dafür freuten sich die Spanier über weitere Triumphe: In Salt Lake City wurde der bayerische Iberer nach den Goldmedaillen im 30 km- und Verfolgungsrennen als "König" gefeiert.

Spaniens Monarch Juan Carlos rief mehrmals an, Regierungschef José María Aznar verabredete sich mit ihm zum Skilaufen. Irgendwie seltsam blieb Mühlegg dennoch. In den Pressekonferenzen nach den letzten beiden Rennen beantwortete er Fragen deutscher Medien ausschließlich auf Englisch.

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