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Irland erlebt sein grünes IT-Wunder und sucht Computerspezialisten

In Dublin ist es mittlerweile schwierig, eine gute Wohnung zu finden. Wegen der vielen unterkunftsuchenden IT- Spezialisten in Irland.

dpa HANNOVER. Wenn sie vor 20 Jahren so alt gewesen wäre wie heute, dann wäre Lina Axelsson Hausfrau, hätte drei Kinder und würde den ganzen Tag Fernsehen gucken. Das sagt sie. Die große, schlanke 30-jährige Frau sieht mit ihren hellen roten Haaren und der blassen Haut fast so aus wie eine Irin. Doch sie stammt aus Schweden und arbeitet lediglich in Irland. Die Liebe hat sie dort hingebracht. Das ist vorbei, doch den Job bei dem irischen Start-Up ANAM will sie nicht so schnell aufgeben.



Europas altes Armenhaus wurde still und heimlich zum IT-Wunderland



Die Juristin arbeitet in einer Firma, die erst im Januar 2000 gegründet wurde. Wie viele andere schießen die Unternehmen in Irland aus dem Boden. Die Arbeitslosenquote liegt dort inzwischen bei etwa vier Prozent - 16 % waren es in den frühen Neunzigern. Der irische Wirtschafts- und Arbeitsminister Tom Kitt hat auf der Cebit in Hannover sogar gesagt, sein Land - Europas altes Armenhaus und klassisches Auswanderland -, heiße Computerspezialisten aus dem Ausland willkommen.



Von der Firma, in der Axelsson arbeitet, will er seinem Sohn erzählen. Eine Kind, das wie die anderen kleinen Iren schon seit vielen Jahren von dem "fortschrittlichen Schulsystem" profitiert, so der Minister. Gezielt wird der Nachwuchs dort zu Computerspezialisten ausgebildet.



Er wird seinem Sohn von Axelssons Firma berichten, die mobile Internetlösungen anbietet. 2002 wollen sie eine Infrastruktur anbieten, damit auf modernen Mobiltelefonen, immer wenn ein Tor bei der Fußballweltmeisterschaft gefallen ist, das Zwischenergebnis gemeldet wird. Danach wird dann ein kleiner Videoclip mit dem Torschuss auf das Display des Telefons übertragen.



Irland ist still und heimlich ein "IT-Wunderland" geworden, ein europäischer Tigerstaat. "Zwischen 1994 und 1999 hat unser Land eine mittlere Wachstumsrate von 8,5 % erlebt", erzählt Minister Kitt. "Wegen unserer modernen Wirtschaft fühlen wir uns stolz. Wir machen Geschäfte in der EU, mit den USA und Japan." Früher sind die Leute in diese Länder vielleicht nur ausgewandert.



"Wir sind stärker, als die Größe unseres Landes ahnen lässt", drückt Kitt das neue irische Selbstbewusstsein aus. Da das Land vor Jahren wenig hatte, schaltete man schnell und setzte in die Ausbildung. Dann kamen internationale Multiplayer wie Microsoft, Intel oder IBM und fanden gut ausgebildete, englischsprachige Arbeitskräfte. Die verlangten anfangs nur wenig Lohn. Ende der Neunziger entschärfte sich die politische Dauerkrise im nördlichen, britischen Teil der Insel.



"Sozialer Frieden" ist auch für Kitt wichtig. Zudem ziehen Regierung, Handel, Unternehmen und Gewerkschaften an einem Strick. "Wir schließen Lohnvereinbarungen über vier Jahre ab", erläutert der Minister. Schließlich haben die Iren von den großen Firmen gelernt und eigene Start-Ups gegründet. Die arbeiten hauptsächlich in der Business-to-Business-Branche oder bemühen sich Übertragungswege für das Internet sicher zu machen. Viele dieser Innovationen stellen die Iren in diesen Tagen auf der weltgrößten Computermesse CeBIT vor. Kitt sagt: "Ganz Irland ist ein Silicon Valley."



Das Land hat sich in der modernen Welt gefunden. Gefunden hat sich auch der 33-jährige Hugh Carroll. In Spanien hat er für eine Geflügelschlachterei gearbeitet, in Deutschland Kleiderstoffe verkauft. Jetzt arbeitet der rothaarige- und bärtige Ire für VORDEL - ein Unternehmen, dass im Februar 2000 gegründet wurde und jetzt schon 40 Mitarbeiter in Dublin beschäftigt. Sie kümmern sich um sichere Lösungen für Kommunikation im Internet, zum Beispiel für e-Banking. "Wir gehören zur zweiten Generation, die von den großen Multinationals und den großen, älteren irischen Unternehmen gelernt haben." Dem Minister Kitt, der sich sehr für Carrolls Kollegen engagiert, hat er ein T-Shirt seiner Firma geschenkt. "Er ist Marathonläufer und kann es beim nächsten Mal tragen", sagt Carroll.

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