"Iron Mike" bettelt um Revanche
Boxer zwingt Beißer in die Knie

Lennox Lewis hat sich endgültig in die "Hall of Fame" erhoben. Der Schwergewichtler verteidigte in der Nacht zum Sonntag vor 15 327 Zuschauern in der "Pyramid Arena" von Memphis (Tennessee) eindrucksvoll seine WBC- und IBF-Weltmeistertitel mit einem K.o.-Sieg in der achten Runde gegen Mike Tyson (USA) und wähnte sich danach am Ziel seiner Träume.

dpa MEMPHIS/HAMBURG. "Ich wollte mein Vermächtnis vollenden und allen Leuten zeigen, dass ich der beste Kämpfer der Welt bin. Das habe ich bewiesen", meinte der 36-Jährige nach seiner taktischen Meisterleistung zu Recht überaus zufrieden.

Der Olympiasieger von 1988 geriet nur in der ersten Runde in leichte Schwierigkeiten, als er sich einiger stürmischer Attacken seines 15 Zentimeter kleineren Kontrahenten erwehren musste. Danach zog Lewis seine boxerische Linie überlegt durch und kontrollierte das Geschehen im Ring mit zunehmender Kampfdauer nach Belieben. "Eigentlich sollte ich Mike schon in Runde vier ausknocken, aber Mike kann ganz schön was wegstecken", analysierte Lewis. Der 40. Sieg in seinem 43. Profikampf bescherte ihm wie Tyson jeweils die Rekordbörse von garantierten 17,5 Mill. Dollar plus Einnahmebeteiligungen.

Auch das endgültige Ende des mit einem geschätzten Umsatz von über 100 Mill. Dollar (114 Mill. ?) teuersten Kampfes der Box- Geschichte wurde vom Doppel-Weltmeister strategisch eingeleitet. Lewis knockte "Iron Mike" eingangs der achten Runde zunächst an und setzte dann mit schweren Trefferserien an Tysons zu diesem Zeitpunkt schon stark gezeichnetem Kopf nach, die den "Eisenschädel" schließlich 45 Sekunden vor Rundenende auf die Bretter zwangen. "Lennox hat toll gekämpft. Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Alles, was ich vorher gesagt habe, war nur, um den Fight zu promoten", behauptete der 35-jährige Tyson nach seiner vierten Niederlage im 53. Kampf.

Der "bad boy" der Box-Szene, der durch vielerlei Skandale für Schlagzeilen gesorgt und Lewis am 22. Januar bei einer Pressekonferenz ins Bein gebissen hatte, überschüttete seinen überlegenen Gegner derart mit Komplimenten, dass viele sich im falschen Film wähnten. "Man kann es glauben oder nicht, aber Lennox und ich waren immer Freunde. Er weiß, dass ich ihn liebe und anerkenne. Ich respektiere ihn wie einen Bruder", beschrieb der Ex- Weltmeister das Verhältnis der beiden Box-Größen, die in Memphis unter dem Motto "Gut gegen Böse" angetreten waren. Angesichts von Tysons überraschenden Bekundungen rieb sich auch Axel Schulz zu früher Stunde im "Premiere"-Studio die Augen. "Ich glaube, das nächste Mal gehen sie Hand in Hand in den Ring", frotzelte der einstige Europameister.

Die Schmuseworte des einstmals jüngsten Weltmeisters der Box- Geschichte, dessen Karriereende nun nicht mehr allzu weit entfernt scheint, hatten natürlich ein handfestes Kalkül. "Mein Zahltag war wunderbar. Wenn er freundlich genug ist, möchte ich das noch einmal machen", bettelte Tyson unmittelbar nach der Urteilsverkündung um eine Revanche. Lewis-Trainer Emanuel Steward ("Das Duell war absolut ungleich. Mike war nach der ersten Runde gar nicht mehr anwesend.") blockte zwar ab und favorisiert zunächst wohl ein Duell mit Ex-Weltmeister Chris Byrd (USA). Der Champion selbst ließ die Zukunft aber offen. "Es kommt darauf an, was die Leute wollen. Ich werde definitiv darüber nachdenken. Aber jetzt ist alles möglich, sogar mein Karriereende", orakelte der stürmisch gefeierte Brite.

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