Irrationale Haltung mit tragischen Folgen
Barenboim und Soyinka kritisieren Scharon

Die israelische Dirigent Daniel Barenboim hat kein Verständnis für die Politik des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gegenüber den Palästinensern.

dpa PARIS. "Ich verstehe Scharons Politik weder in moralischer noch in strategischer Hinsicht", sagte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper der Pariser Zeitung "Le Figaro". "In dem Konflikt gibt es keine militärische Lösung. Jedes Volk hat ein Recht auf seine nationalen Bestrebungen." Auch der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka hat Israel nach einer Reise in die Nahost-Region scharf kritisiert.

"Das Drama besteht darin, dass das (nationale) Streben der Juden und das der Palästinenser nicht ungefähr zur selben Zeit geweckt worden sind, und dass nur das der Juden auch befriedigt worden ist", sagte Barenboim. Mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit Israels müsse man sich die Frage stellen, "für welchen Preis diese Rückkehr vollzogen wurde - ein Preis, den jene bezahlen, die bereits dort waren". Es sei nicht antisemitisch, Israels Regierung zu kritisieren, hielt der Dirigent angesichts der "tragischen" Lage in Nahost fest.

Soyinka gehörte einer Delegation des Internationalen Schriftstellerverbandes an, die Ende März zu einer Friedensmission nach Israel und in die palästinensischen Gebiete gereist war. Sein Entsetzen darüber habe sich verstärkt, "eine in die Weltgeschäfte eingreifende Politik in den Händen von Führern mit unbeschränkter militärischer Macht liegen zu sehen". Die irrationalen Haltungen der israelischen und der US-Regierung seien bestürzend, "und sie würden lächerlich sein, wären sie nicht mit schweren tragischen Folgen verbunden, die leider zu sehr absehbar sind".

An den israelischen Checkpoints für die Palästinenser fühlte sich Soyinka an das Nigeria zwischen dem ersten Staatsstreich und dem Bürgerkrieg in Biafra erinnert: "Ich hatte diese Gesichter voller Verzweifelung und Resignation wieder vor mir, aber auch die kochende Wut einer Bevölkerung, die tagtäglich von einer arroganten Armee erniedrigt wurde." Dieses Gefühl der Demütigung sei auch in den palästinensischen Gebieten spürbar gewesen.

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