Irrer Typ zwischen Genie und Wahnsinn
Super-Mario sagt Servus

Ob er am Samstag sein letztes Hurra auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions im DFB-Pokalfinale gegen seinen Ex-Club Bayern München erleben darf, steht noch stark in Frage. Sicher ist dagegen, dass die Fußball-Bundesliga mit Mario Basler eine ihrer schillerndsten Figuren verliert. Unwidersprochen kann der 34-jährige Allroundspieler des 1. FC Kaiserslautern, der nach 262 Bundesligaspielen (62 Tore) seine wechselhafte Karriere in der Wüste von Katar auslaufen lässt, feststellen: "Ich werde der Bundesliga mehr fehlen als sie mir."

HB/dpa KAISERSLAUTERN. Das "schlamperte Genie", das die Grenzen zum Wahnsinn, an dessen Rand er manchen Trainer trieb, stets fließend hielt, hätte wohl mehr als die 30 Länderspiele absolvieren können, die seinem nicht immer ausgeschöpftem Potenzial gerecht wurden. Mit seinem Hang zur selten gebremsten Lebenslust stand sich der Fußball-Profi Basler oft mehr im Weg als die in seinen besten Zeiten von dem Unberechenbaren genarrten Gegenspieler. Ein Albtraum für diese, wenn es gut lief - ein Albtraum für jeden Trainer, wenn er nicht in die Puschen kam, weil Zapfhahn und Zigaretten für ihn nie ein Tabu waren. Weißglut erzeugte er stets dann, wenn Weißbier mit im Spiel war. Siehe Pizzeria-Affäre.

Basler polarisierte. Beliebt bei den Fans ("Super-Mario"), gefürchtet bei den Trainern. Seine Zunge hielt er selten im Zaum, wenn es für ihn galt, seine Haut medial wirksam zu Markte zu tragen. Getreu seinem Motto: "Ich spreche aus, was ich denke, auch wenn das nicht immer diplomatisch war." Die Liga wird mit Sicherheit langweiliger ohne einen wie ihn. "Jetzt wird es ruhiger. Die Jungen sind alle so angepasst und sagen nur noch das, was alle hören wollen", meint das nie stromlinienförmige, deshalb aber auch schwer zu disziplinierende "Enfant terrible" der Bundesliga.

An des Widerspenstigen Zähmung biss sich fast jeder auch noch so pädagogisch bemühte Fußballlehrer die Zähne aus. Mit einer Ausnahme: Otto Rehhagel, der den Filigran-Techniker bei Werder Bremen an die Leine nahm. Musterschüler Mario dankte seinem Ziehvater die Freiheiten mit der Krone des Torschützenkönigs 1995. Als die Leistung stimmte, waren die Scherze des Schlawiners und Spaßvogels gefragt. Später, als er mit nachlassender Schusskraft und Präzision die Rolle eines Stehgeigers zu spielen drohte, lief der Schalk zuweilen Gefahr, vom Clown zum Hanswurst zu mutieren.

Damit soll jetzt Schluss sein. Ein letzter Auftritt vor 70 000 Besuchern im Olympiastadion und Mill. von Fernsehzuschauern - das ist es, was sich einer der letzten Individualisten des Fußballs am Samstag sehnlichst wünscht. Dem FC Bayern mit seinem Intimfeind Giovane Elber durch einen seiner raffinierten Freistöße das Double zu vermasseln, davon träumt der gebürtige Pfälzer aus Neustadt/Weinstraße.

Es wäre ein würdiger Abschluss für den 34-Jährigen, der danach neben den Araberpferden auch den Fußball in Katar auf Trab bringen will. Wenn ihn Trainer Erik Gerets lässt. "Bei aller Problematik wird mir Mario fehlen", gibt auch der 49-jährige Belgier zu.

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