Irrtümer und Geschichten vom “Wasser-Schach“
Mythos America's Cup

Die 154-jährige Geschichte des America's Cup steckt voller Irrtümer und Missverständnisse. Der größte Irrglauben besteht bis heute in der Annahme, der Cup sei in Amerika geboren oder hätte dort seine Premiere gefeiert. Im Gegenteil.

HB VALENCIA. Erstmals wurde auf dem Alten Kontinent um die hässliche Silberkanne mit Spitznamen "Auld Mug" gesegelt. "Es macht den Mythos America's Cup aus", so Alinghis Sportdirektor Jochen Schümann, "dass er immer auch ein Kampf zwischen Alter und Neuer Welt war. Manche Menschen glauben gar, es würde in Langstrecken-Rennen um den America's Cup gesegelt. So fragte ein verirrter Tourist im Pressezentrum nach, wann denn die Yachten nun endlich ihre Segel mit Kurs auf Amerika setzen würden.

Dabei hat die älteste Sporttrophäe der Welt ihren Namen von der ersten Siegerin geerbt. Am 22. August im Jahre 1851 ging die US-Yacht America gegen 14 britische Boote in ein Rennen um die Isle of Wight im Süden Englands. Sie gewann mit acht Minuten Vorsprung direkt vor den Augen der Queen Victoria. Um Kompensation bemüht, soll die enttäuschte First Lady damals an Bord ihrer königlichen Yacht gefragt haben: "Und wer wurde Zweiter?" Ein Offizier soll geantwortet haben: "Eure Hoheit, es gibt keinen Zweiten!"

So ist es bis heute gelieben. Dabei hat sich die Disziplin Matchrace - das Duell von nur zwei Booten - erst bei der vierten Cup- Auflage im Jahr 1876 etabliert, als mit der kanadischen Herausforderin Countess of Dufferin und der siegreichen amerikanischen Verteidigerin Madeleine erstmals nur zwei Yachten gegeneinander antraten. So wie nach heftig umkämpfter Herausforderer- Runde auch bei dieser 31. Auflage des America's Cup auf dem Hauraki Golf vor Auckland.

Gesegelt wird im Modus "Best-of-nine", wer zuerst fünf Siege verbucht, gewinnt den 1851 vom Londoner Juwelier R. & G. Garrard als "Hundred Guinea Cup" gefertigten Pott. Pro Wettfahrt gilt es, sechs so genannte Legs (Teilabschnitte) eines Kurses zu bewältigen und abschließend die Ziellinie vor der konkurrierenden Yacht zu kreuzen. Die entscheidende Phase im Matchrace beginnt schon fünf Minuten vor dem Startschuss mit der Eintauchphase in die imaginäre Startbox. Während dieser für den Rennverlauf oft ausschlaggebenden Minuten versuchen die Gegner, sich optimal zu positionieren.

Manchmal gelingt es dabei sogar, den Gegner mit einem geschickten Manöver zu einem Fehler zu zwingen, der von den Schiedsrichtern auf dem Wasser im schlimmsten Fall mit einem Penalty geahndet wird. Dann muss die bestrafte Yacht im weiteren Verlauf des Duells zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl einen 270-Grad-Strafkringel ausführen. Das unbeliebte Manöver kostet im Schnitt rund 30 Sekunden und führt in knappen Begegnungen fast immer automatisch zur Niederlage.

Viele Segler vergleichen die Vorstartphase im Matchrace mit einer Mischung aus Schach und Boxen auf dem Wasser. Auch Schümann grinst: "Als ich jung war, habe ich viel Schach gespielt. Jetzt versuche ich, das alles auf dem Wasser unterzubringen. Was sich leicht anhört, ist ein ungeheuer komplexes Spiel", so Perfektionist Schümann, dessen Mannschaft Alinghi die Trophäe vor Valencia gegen das Team New Zealand verteidigen will.

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