ISAF-Soldaten in Handgemenge verwickelt
Ärger und Irritationen bei Loja Dschirga

Dutzende Delegierte der Loja Dschirga haben die Versammlung von Vertretern der afghanischen verärgert verlassen. Sie beklagten, dass sie zur Frage der Wahl eines Präsidenten nicht konsultiert worden seien.

Reuters KABUL. Es wurde erwartet, dass sich die rund 1 500 Abgesandten aus allen Landesteilen am Mittwoch auf Hamid Karsai als neuen Präsidenten des Landes einigen. Er führt gegenwärtig die durch UNO-Vermittlung eingesetzte Übergangsregierung.

Die Wahl Karsais galt als sicher, da der frühere König Mohammed Sahir Schah auf das Amt verzichtete und Karsai seine Unterstützung aussprach. Auch der frühere Präsident Burhanuddin Rabbani zog seine Kandidatur zurück und sprach sich für Karsai aus, der auch von den USA favorisiert wird.

Einige Abgesandte beklagten jedoch, dass die Einigung auf Karsai in kleinen Zirkeln außerhalb der Loja Dschirga erfolgt sei und sie daher kein Mitspracherecht hätten. Die größten Differenzen gibt es zwischen den paschtunischen Anhängern des Ex-Königs und der Nordallianz, die vor allem die Tadschiken und Usbeken repräsentiert. Zwischen ihnen hatte es in der Vergangenheit immer wieder blutige Fehden und Machtkämpfe gegeben. Die Nordallianz unterstützt Karsai, der ebenso wie der Ex-König Paschtune ist. Karsai lebte lange Zeit in den USA, was seinen Gegnern wiederum suspekt ist. Die Anhänger des Königs befürchten, gegenüber der Nordallianz an Einfluss zu verlieren.

Zu den Unstimmigkeiten hatte Karsai auch selbst beigetragen, als er am Vortag verkündete, die Loja Dschirga habe ihn zum Präsidenten gewählt. Später räumte er dies als Irrtum ein. In der Versammlung war Beifall aufgebrandet, als der Ex-König seine Unterstützung für Karsai verkündete. Er nahm dies als allgemeine Zustimmung und wähnte sich irrtümlicherweise gewählt.

ISAF-Soldaten in Handgemenge verwickelt

Ein Schlaglicht auf das angespannte Klima warf auch ein Zwischenfall mit deutschen Soldaten der Afghanistan- Sicherheitstruppe ISAF. Sie wollten nach Angaben der Bundeswehr Kämpfer der Privatarmee des prominenten afghanischen Politikers Ahmad Wali Massud entwaffnen und sahen plötzlich deren Gewehrläufe auf sich gerichtet. Es kam den Berichten zufolge zu einem Handgemenge, bei dem aber kein Schuss gefallen sei. Die Kämpfer seien schließlich der Polizei übergeben worden. Die ISAF verstärkte daraufhin ihre Präsenz in der Umgebung des Tagungsortes der Loja Dschirga.

Trotz der Probleme gilt schon die Tatsache, dass die Große Versammlung zu Stande kam, als Erfolg für den von Rivalitäten und Kriegen zerrissenen Staat. An der Versammlung nehmen auch rund 150 Frauen teil, die unter der Herrschaft der fundamentalistischen Taliban völlig rechtlos und aus dem öffentlichen Leben verbannt waren. Frauen haben es allerdings nach wie vor schwer, sich Gehör zu verschaffen. "Wenn wir das Wort ergreifen wollen, werden wir niedergeschrien", rief eine der Delegierten. Die Männer sagten, es sei nicht der richtige Moment, beklagte die Rednerin und fügte hinzu: "Aber wir sind auch ein Teil dieses Landes."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%