Islamabad drängt Taliban zu Entscheidung über Bin Laden
Vier Tote bei Protesten gegen die USA in Pakistan

Bei gewalttätigen Protesten moslemischer Fundamentalisten in Pakistan gegen einen möglichen US-Angriff auf Afghanistan hat es am Freitag erstmals Tote gegeben. Wie die Polizei mitteilte, wurden bei Ausschreitungen zwischen radikalen Moslems und der Polizei in der Wirtschaftsmetropole Karachi insgesamt vier Demonstranten getötet.

afp ISLAMABAD. Rund 40 000 Menschen gingen auf die Straße, verbrannten US-Flaggen und Bilder von US-Präsident George W. Bush. Auch in anderen Städten kam es zu Protesten, die jedoch friedlich verliefen. Die Regierung in Islambad drängte die Taliban-Miliz in Afghanistan zu einer "schnellen Entscheidung" über die von den USA geforderte Auslieferung von Extremistenführer Osama Bin Laden. Nach Angaben westlicher Diplomaten will Washington in Kürze die Sanktionen gegen Pakistan und Indien aufheben.

Nach Polizeiangaben wurde bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften in einem hauptsächlich von Afghanen bewohnten Stadtteil von Karachi ein Demonstrant getötet. Ein zweiter Mann wurde getötet, als Islamisten einem anderen Viertel ein Kino in Brand stecken wollten. Sicherheitskräfte erschossen einen weiteren Demonstranten, der mit einer Gruppe Fundamentalisten die Schließung einer Mühle erzwingen wollte. Unter bisher ungeklärten Umständen kam zuden ein Händler ums Leben. Augenzeugen berichteten, wütende Demonstranten hätten den Mann erschlagen, weil er trotz eines Boykottaufrufs sein Geschäft geöffnet hatte. Radikale Moslemgruppen hatten zu landesweiten Protesten und Streiks gegen die USA und Pakistans Präsidenten Pervez Musharraf aufgerufen, der Washington seine uneingeschränkte Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesagt hatte.

Steine gegen Fastfood-Filiale

In Karachi waren Demonstranten Steine auf Autos und Busse, errichteten Straßensperren und verbrannten Autoreifen. In einem Geschäft der US-Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Die Beamten gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Islamisten vor. In Peshawar demonstrierten rund 10.000 Menschen gegen die USA, in Quetta waren es 3000 und in der Hauptstadt Islamabad 1500 Demonstranten. Landesweit waren mehrere zehntausend Polizisten im Einsatz.

Die beiden größten pakistanischen Parteien sicherten Musharraf zwar ihre Unterstützung zu. Ein US-Angriff auf Afghanistan könnte dennoch zu einer schweren Krise führen. Ein Großteil der moslemischen Bevölkerung lehnt einen Angriff auf das Nachbarland ab.

Nach Angaben eines Diplomaten in Islamabad wollen die USA ihre Sanktionen gegen Pakistan und Indien bald aufheben, die nach den Atomtests beider Länder 1998 verhängt worden waren. Außerdem solle der pakistanische Schuldenberg kommende Woche beim Treffen der Gläubiger im so genannten Pariser Club umgeschichtet werden. Auf diese Weise solle die befürchtete Destabilisierung Pakistans durch die erwarteten US-Angriffe auf Afghanistan aufgefangen werden.

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