Islamische Gruppierung hinter Tat vermutet
Mindestens 16 Tote bei Angriff auf Kirche in Pakistan

Bei einem Angriff auf eine christliche Kirche im Süden Pakistans sind am Sonntag mindestens 16 Menschen getötet worden. Wer hinter der Tat steckt, blieb zunächst unklar. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, möglicherweise stammten die Angreifer aus den Reihen einer verbotenen islamischen Gruppierung.

ap MULTAN/PAKISTAN. Es gab keinen Hinweis, dass der Überfall im Zusammenhang mit den Protesten radikaler Moslems gegen die US-Angriffe auf Afghanistan steht.

Der Überfall ereignete sich in der Stadt Behawalpur in der Provinz Punjab. Nach Angaben von Ärzten erlitten mindestens fünf weitere Personen schwere Schussverletzungen. Unter den Toten befand sich laut Polizei auch ein moslemischer Polizeibeamter. Über 100 Menschen waren zum Zeitpunkt des Angriffs in der St.-Dominiks-Kirche zum Gebet versammelt. Vier maskierte Männer drangen in das Gotteshaus ein und schossen wahllos auf die versammelten Christen.

Die Gottesdienstbesucher versuchten, unter den Kirchenbänken dem Kugelhagel zu entkommen, wie Augenzeugen berichteten. "Einige legten sich hin und bettelten um Gnade, doch die Täter haben nicht zugehört", sagte Ali Schah, der den Angriff überlebte.

Unter den Toten sind nach Angaben von Ärzten vier Kinder und vier Frauen. Auch der Pfarrer soll zu den Opfern gehören. Der Augenzeuge Shamoon Masih berichtete: "Die hatten keine Gnade mit den Kindern. Die hatten keine Gnade mit den Frauen. Sie konnten sehen, dass kleine Kinder von den Kugeln getroffen wurden, aber sie feuerten weiter." Der Überfall habe etwa zwei Minuten gedauert.

Bei der Kirche handelt es sich Anwohnern zufolge um ein katholisches Gotteshaus. Am Sonntag hätten wie üblich auch Protestanten den Gottesdienst mitgefeiert, da diese in der Gegend keine eigene Kirche hätten.

In der Region gibt es seit längerem Spannungen zwischen moslemischen Sunniten und Schiiten. Es sei aber der erste derartige Angriff auf Christen, an den man sich hier erinnern könne, erklärten die Behörden. 97 Prozent der Einwohner Pakistans sind Moslems, Christen machen weniger als drei Prozent aus. Shebbaz Bahtti, Sprecher der Christlichen Befreiungsfront, sprach von einer barbarischen Tat und forderte die Regierung in Islamabad auf, die in Pakistan lebenden Christen besser zu schützen. Im ganzen Land wurden nach dem Überfall die Sicherheitsvorkehrungen für Kirchen verschärft.

1997 brannten in der Stadt Rahim Yar Khan im Süden des Landes Hunderte Moslems 13 christliche Kirchen nieder. Sie warfen den Christen vor, den Koran entweiht zu haben. Christen dagegen erklärten, die Moslems hätten nur einen Vorwand erfunden, um ihr Land zu besetzen.

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