Islamische Terroristen in Deutschland
Bisher keine eindeutige Verbindung zu bin Laden

Trotz vieler Hinweise auf Aktivitäten islamischer Terroristen in Deutschland sieht die Bundesanwaltschaft noch keine eindeutige Verbindung zum Hauptverdächtigen Osama bin Laden. Bei den Ermittlungen zu den in Hamburg enttarnten drei Tatverdächtigen der Terrorserie in den USA beginne nun die "kriminalistische Feinarbeit", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Horst Salzmann, in Hamburg.

dpa KARLSRUHE/HAMBURG. Generalbundesanwalt Kay Nehm wies am Samstag in Karlsruhe Spekulationen zurück, wonach es neben Hamburg auch im westdeutschen Raum eine Terror-Vereinigung islamistischer Fundamentalisten gebe oder gegeben habe. Auch zu mehreren vor längerer Zeit in Frankfurt am Main verhafteten Personen seien keine Querverbindungen erkennbar.

Bei zwei Wohnungsdurchsuchungen am Freitagabend in Bochum war ein Koffer mit Unterlagen sichergestellt worden. Er habe Ziad Samir Jarrah, einem der drei Hamburger Verdächtigen, gehört, sagte Nehm. Der 25-Jährige stand auf der Passagierliste der bei Pittsburgh (Pennsylvania) abgestürzten Maschine. Er sei von seiner in Bochum lebenden Freundin als vermisst gemeldet worden. Jarrah soll im Juni 2000 Deutschland verlassen und Flugschulen in Florida/USA besucht haben. Nehm bezeichnete die Kontakte des Libanesen ins Ruhrgebiet rein privater Natur. Nähere Angaben zu der Frau machte er nicht.

Sonderkommission "USA"

Mitglieder der 100-köpfigen Sonderkommission "USA" durchsuchten am Samstag in Hamburg im Zusammenhang mit den Terroranschlägen eine weitere Wohnung. Jetzt beginne die Auswertung der Spuren und Befragungen, erklärte Justizsprecher Salzmann.

Laut Nehm konzentrieren sich die Ermittlungen - neben der Auswertung der in 14 Hamburger Wohnungen gefundenen Unterlagen - auf die Aufhellung des Umfeldes der Tatverdächtigen aus der Hansestadt. Zu ihnen zählen neben Jarrah auch Mohammed el-Amir Awad Elsajjid Atta und Marwan Yousef Mohammed Alshehhai. Sie waren in den Jets, die am Dienstag die Türme des World Trade Centers in New York rammten.

Auch Alshehhai wohnte nach einem Zeitungsbericht einige Zeit in Nordrhein-Westfalen. Er sei 1996 aus seiner arabischen Heimat nach Bonn gekommen, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Vermieter. Er habe angegeben, Schiffbau studieren zu wollen. Der 23- jährige Alshehhai sei auf Vermittlung eines weiteren Arabers zu den Vermietern eines möblierten Zimmers mit Bad gekommen. Dieser andere Mann habe sich in diesem Mai bei den Vermietern gemeldet und für die Gastfreundschaft gedankt. "Wir werden uns nie mehr wiedersehen", habe er dabei gesagt.

"Erdrückendes Beweismaterial"

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat das FBI den deutschen Behörden "erdrückendes Beweismaterial" gegen das Trio übergeben. In den USA verdichteten sich unterdessen die Indizien, die auf bin Laden als Befehlsgeber der Anschläge hinweisen. Alle 19 Terroristen, die an den Selbstmordanschlägen beteiligt waren, sollen direkte oder indirekte Verbindungen zu dem saudi-arabischen Top-Terroristen gehabt haben, berichteten US-Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Atta, der mutmaßliche Pilot eines der Flugzeuge, die das World Trade Center zerstörten, hat laut "Bild"-Zeitung als Student an der Technischen Universität Hamburg-Harburg eine "islamische AG" gegründet und einen Gebetsraum für muslimische Studierende einrichten lassen. In der Wochenzeitung «Die Zeit», die am Montag mit einer Extra-Ausgabe erscheint, beschreibt sein Professor Dittmar Machule ihn als fleißig, klug und diszipliniert. Zu Hause habe der Student ihn aber nie empfangen wollen. Machule: "Es spricht einiges dafür, dass Mohammed ein zweites Leben führte."

Einer seiner Ex-Kommilitonen schreibt Atta "ungeheure Präzision im Denken" zu. Bei plötzlichen Schwierigkeiten habe er "geschickt und virtuos" reagiert. "Er stand den Errungenschaften der westlichen Welt skeptisch gegenüber... Die rasende, sich immer weiter beschleunigende Amerikanisierung seiner Heimat, der Einzug der Moderne in den arabischen Raum, das passte ihm nicht."

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