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Islamische Welt sagt Reformen zu

Etwa 20 Staaten der islamischen Welt haben dem Westen die Einleitung demokratischer und wirtschaftlicher Reformen zugesagt. Die westlichen Industrieländer versprachen den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens im Gegenzug auf einer gemeinsamen Ministerkonferenz in Rabat umfangreiche Hilfen.

dpa RABAT. Etwa 20 Staaten der islamischen Welt haben dem Westen die Einleitung demokratischer und wirtschaftlicher Reformen zugesagt. Die westlichen Industrieländer versprachen den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens im Gegenzug auf einer gemeinsamen Ministerkonferenz in Rabat umfangreiche Hilfen.

Das Reformprojekt, das am Samstag auf einem Ministertreffen in der marokkanischen Hauptstadt verabschiedet wurde, soll den islamischen Staaten die Teilnahme am Prozess der Globalisierung ermöglichen und zugleich zur Bekämpfung des Terrorismus beitragen. "Dies war eine sehr erfolgreiche und historische Konferenz", sagte US-Außenminister Colin Powell nach Abschluss des Treffens.

An der Konferenz hatten die Außen- und Finanzminister aus den Ländern der G-8-Gruppe und aus etwa 20 Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas teilgenommen. Bundesaußenminister Joschka Fischer bezeichnete die Modernisierung der islamischen Welt als ein "Generationenprojekt". "Wir stehen (in diesem Prozess) erst am Anfang des ersten Kapitels."

Es sei auch im Interesse der westlichen Welt, dass die arabischen und islamischen Gesellschaften am Prozess der Globalisierung teilhaben. "Ob das Mittelmeer im 21. Jahrhundert ein Meer der Kooperation oder der Konfrontation wird, wird für unsere gemeinsame Sicherheit von strategischer Bedeutung sein." Powell betonte, die Reformen trügen auch zum Kampf gegen den Terror bei. "Um mörderische Extremisten zu besiegen, müssen wir gemeinsam die Ursachen von Verzweiflung und Frustration bekämpfen, die die Extremisten sich für ihre Ziele zunutze machen."

Das - von US-Präsident George W. Bush initiierte - Reformvorhaben war in Teilen der islamischen Welt umstritten. In mehreren Ländern wurde der Vorwurf laut, die Amerikaner wollten den islamischen Staaten das System des Westens aufzwingen. Die USA wiesen diese Befürchtungen zurück. "Ein wirklicher Wandel kann nur aus den jeweiligen Ländern selbst kommen", sagte Powell.

Ägypten beklagte sich darüber, dass die G-8-Gruppe bisher ihre finanzielle Zusagen nicht eingehalten habe. Der Generalsekretär der Arabische Liga, Amre Mussa, warnte davor, die islamische Welt mit dem Terrorismus zu identifizieren. "Der Terror ist nicht einer bestimmten Kultur oder Gesellschaft eigen. Extremisten gibt es überall."

Die Minister beschlossen, 2005 eine Folgekonferenz in Bahrain abzuhalten. Das Treffen in Rabat war die erste offizielle Ministerkonferenz im Rahmen einer Bush-Initiative, die unter der Bezeichnung "Zukunftsforum" im Juni auf dem G-8-Gipfel die Unterstützung der Gruppe der wichtigsten Industrieländer erhielt. Dieser Gruppe gehören die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und Russland an.

Die Initiative sieht vor, dass die G-8-Länder den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens (ohne Israel) sowie Nordafrikas konkrete Hilfen bei der Demokratisierung sowie bei Sozial- und Wirtschaftsreformen leisten. Am Vorabend hatten etwa 500 Marokkaner vor dem Parlament ihres Landes gegen das Treffen demonstriert. Sie lehnten die Konferenz als "imperialistisch" ab. Vor zwei Wochen hatten in Rabat bis zu 50 000 Menschen gegen die Politik der USA demonstriert.

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