Islamismus
Zwangsweise Entziehungskur am Ufer des Nils

Das Hyatt-Hotel in Ägyptens Hauptstadt Kairo schenkt seit Mai keinen Alkohol mehr aus, weil der saudische Besitzer es so will. Viele Gäste sind darüber nicht so amüsiert. Besonders die aus Saudi Arabien.

KAIRO. Das verschnörkelte Pub-Schild des "Duke's" hängt noch, doch die Tür der Bar ist fest verriegelt. Durch die Fenster sieht man den leeren Holztresen, aber kein Glas, keine Flasche. Hier wird offensichtlich nicht mehr gearbeitet. Denn das Grand Hyatt in Kairo braucht keine Bar mehr: Seit dem 1. Mai wird in dem Fünf-Sterne-Hotel direkt am Nil kein Alkohol mehr serviert.

Der saudische Besitzer Scheich Abdel Aziz Ibrahimi nutzte einen Besuch, um den Sündenfall in seinem Etablissement zu beenden: Alle Alkoholvorräte des "Duke's" wurden in den Abfluss gekippt - so wie die aus der Bar in der Eingangshalle, dem Panorama-Restaurant im 41. Stock und dem hauseigenen Restaurantboot "Marquise". Nur ein kleines Refugium konnte sich halten: Das Hard Rock Cafe, das in einem Nebengebäude liegt, serviert noch Bier und Tequila. "Wir haben einen anderen Betreiber", erklärt der Mann am Empfang.

Die Entscheidung des Saudis hat in Ägypten zu einer verhaltenen Debatte geführt. Im Internet gibt es auf islamischen Web-Sites viel Zustimmung. Endlich ein guter Muslim, der sich nicht um den Gewinn, sondern um seinen Glauben schert. "Glückwunsch", heißt es da. Doch in der ägyptischen Presse wird auch Kritik laut. Der Autor Ezzat al Qamhawy fürchtet eine "Strangulierung der ägyptischen Tourismusindustrie" und kritisiert, dass Nicht-Muslimen islamische Vorschriften aufgezwungen werden. Bei anderen Kritikern schwingt auch der Ärger mit, dass Saudis dank ihres Geldes ihre puritanische Islamauslegung im Ausland verbreiten. Doch die Reaktion ist in der konservativ-muslimischen ägyptischen Gesellschaft insgesamt leise: Alkoholkonsum ist im Islam verboten, und wer den Ausschank verteidigt, kann leicht in die Schusslinie radikaler Islamisten geraten.

Westliche Touristen sind weniger amüsiert. Ein amerikanisches Ehepaar, das einige Tage im Hyatt verbracht hat, ist enttäuscht: "Uns hat niemand darauf hingewiesen, dass man hier nicht mal ein Glas Wein zum Essen trinken kann", sagt der Mann. Er werde das nächste Mal wohl im Four Season's gleich nebenan absteigen. Doch auf der Web-Site des Hotels wird mittlerweile mitgeteilt, dass kein Alkohol ausgeschenkt oder verkauft wird.

Allerdings wisse niemand, ob die Entscheidung definitiv ist, sagt die Direktorin für Marketing und Kommunikation, Sally Khatab. Es gebe eine rege Korrespondenz zwischen der Hyatt-Gruppe und dem saudischen Besitzer, in der die US-Hotelkette auf die Konsequenzen der Entscheidung hinweise. Im Sommer gebe es zwar wohl keine Probleme, da das Hyatt dann ohnehin fest in der Hand von Familien aus den Golfstaaten sei. Im gesamten Geschäftsjahr kommen aber immerhin vier von zehn Gästen aus Europa oder den USA.

Auch viele Saudis verbringen hier den Sommer - nicht wegen der erträglicheren Temperaturen am Nil, sondern weil sie Unterhaltung und Alkohol suchen, die in der Heimat verboten sind. Auf die Frage, ob man eigenen Alkohol mit aufs Hotelzimmer nehmen könne, antwortet Sally Khatab indirekt: "Wir verkaufen und servieren keinen Alkohol mehr." Ein Schlupfloch scheint es also noch zu geben.

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