Archiv
Islamisten-Zelle in Spanien ausgehoben

Sieben Monate nach den Attentaten von Madrid mit 191 Toten hat die spanische Polizei eine Zelle von mutmaßlichen islamistischen Terroristen ausgehoben. Bei Razzien in mehreren Städten Spaniens wurden acht Verdächtige festgenommen.

dpa MADRID. Sieben Monate nach den Attentaten von Madrid mit 191 Toten hat die spanische Polizei eine Zelle von mutmaßlichen islamistischen Terroristen ausgehoben. Bei Razzien in mehreren Städten Spaniens wurden acht Verdächtige festgenommen.

Die meisten von ihnen stammten aus Algerien und Marokko. Wie am Dienstag aus Ermittlerkreisen in Madrid verlautete, befindet sich der mutmaßliche Anführer der Zelle - ein Algerier - in der Schweiz in Haft.

Die Gruppe hatte nach diesen Angaben geplant, einen großen Bombenanschlag auf den Nationalen Gerichtshof in der spanischen Hauptstadt verüben. Die Islamisten hätten einen Lastwagen mit einer halben Tonne Dynamit beladen und vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum Madrids zur Explosion bringen wollen, hieß es. Unter den Festgenommenen war auch ein Informant des spanischen Geheimdiensts CNI, der die Behörden über Drogenschmuggel unterrichtet hatte.

Die Islamisten hatten nach diesen Angaben Kontakte zum Terrornetzwerk El Kaida und zu militanten Gruppen in anderen Ländern Europas, in den USA und Australien gehabt. Mit den Terroristen, die bei den Anschlägen am 11. März in Madrid 191 Menschen getötet hatten, sollen sie aber nicht in Verbindung gestanden haben.

Die Festgenommenen hatten nach spanischen Angaben in abgehörten Telefongesprächen - ohne nähere Details - von Plänen zu einem großen Bombenanschlag gesprochen. Allerdings seien bei Hausdurchsuchungen kein Sprengstoff und keine Waffen entdeckt worden, teilte Innenminister José Antonio Alonso mit. Die Terror-Planungen hätten sich anscheinend noch in einem Anfangsstadium befunden.

Die Mitglieder der Gruppe hatten sich in spanischen Gefängnissen kennen gelernt, wo sie Haftstrafen wegen krimineller Vergehen verbüßten. Auch der mutmaßliche Anführer war nach diesen Angaben in der Vergangenheit in Spanien als Krimineller inhaftiert gewesen. Der Algerier soll die anderen Mitglieder angeworben haben. Nach seiner Freilassung aus der Haft zog er in die Schweiz, wo er nach spanischen Angaben vor gut einem Monat erneut wegen krimineller Vergehen festgenommen wurde.

In Spanien wurden die Verdächtigen in Almería im Südosten des Landes, in Gandia in Ostspanien, in Pamplona im Norden, in Málaga und Madrid festgenommen. In den vergangenen vier Jahren wurden in Spanien über 130 mutmaßliche militante Islamisten dingfest gemacht.

Die spanischen Fernsehanstalten zeigten am Dienstag erstmals Videoaufnahmen von den Terroranschlägen in Madrid am 11. März. Die Aufnahmen stammen von den Sicherheitskameras des Atocha-Bahnhofs und waren bisher von den Ermittlern unter Verschluss gehalten worden. Sie zeigen, wie Fahrgäste beim Aussteigen aus einem Vorortszug von einer Explosion überrascht wurden. Beim Umdrehen erblickten die Bahnpassagiere hinter sich einen riesigen Feuerball. Sie versuchten in Panik, den Bahnstieg zu verlassen. Weitere Explosionen hüllten den Bahnhof in schwarzen Rauch. Schließlich sind am Boden liegende Menschen zu sehen, denen erste Helfer und Polizisten zu Hilfe eilten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%