Islamistenführer soll Attentat angeordnet haben
Türkei kritisiert Kaplans Freilassung scharf

Die Freilassung des militanten Islamistenführers Metin Kaplan ist in der Türkei auf Unverständnis und scharfe Kritik gestoßen. Das Außenministerium in Ankara erklärte, der Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Kaplan nicht an die Türkei auszuliefern sondern auf freien Fuß zu setzen, beruhe auf "grundlosen Annahmen".

ghö ISTANBUL. Die Entscheidung sei "falsch, unangemessen und nicht akzeptabel", hieß es in der Erklärung. Mit der Freilassung Kaplans verletzte Deutschland seine Pflichten bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und verweigere sich der gegenseitigen Unterstützung und Zusammenarbeit auf diesem Gebiet, ließ Außenminister Abdullah Gül seinen Sprecher erklären.

Auch in den türkischen Medien wurde Unverständnis über das Düsseldorfer Urteil geäußert. "Sie geben Kaplan nicht her", titelte die Zeitung Aksam. Kaplan, der in Deutschland als "Kalif von Köln" bekannt geworden ist und in der Türkei als "Schwarze Stimme" bezeichnet wird, hat immer wieder zum Sturz der weltlichen Verfassungsordnung in der Türkei und zur Errichtung eines islamischen Gottesstaates aufgerufen.

Wegen Aufrufes zum Mord an einem Rivalen hatte er in Deutschland eine vierjährige Haftstrafe verbüßt, bevor er in Auslieferungshaft genommen wurde. Die türkische Justiz beschuldigt Kaplan, er habe 1998 bei den 75-Jahr-Feiern der türkischen Republik ein spektakuläres Attentat geplant. Ein mit Sprengstoff beladenes Sportflugzeug, so die An-klage, sollte während der Feierlichkeiten auf das Atatürk-Mausoleum in Ankara und die dort versammelten Spitzenpolitiker und Militärs herabstürzen.

Nachdem die Türkei im vergangenen Jahr die Todesstrafe abgeschafft hatte, befürwortete Bundesinnenminister Otto Schily die Auslieferung Kaplans. Die Richter des OLG Düsseldorf lehnten sie aber jetzt mit der Begründung ab, die türkische Justiz werde in dem Verfahren gegen Kaplan möglicherweise Aussagen verwerten, die unter der Folter erpresst worden seien. Außerdem trage das in der Türkei gegen Kaplan anhängige Verfahren "den Charakter politischer Verfolgung".

"Deutschland lässt die schwarze Stimme laufen", schrieb das Boulevardblatt Aksam am Mittwoch. Andere Zeitungen bezeichneten die in der Entscheidung des Düsseldorfer Gerichts als "unverständlich" und "enttäuschend". Die Zeitung Hürriyet zitierte ausführlich Bundesinnenminister Schily, der das Urteil bedauert hatte.

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