Israel befürchtet Allianz zwischen Bagdad, Iran und Syrien
Nach Luftangriff auf Irak wächst Sorge vor neuer Golfkrise

Nach dem schweren amerikanisch-britischen Luftangriff auf Irak rechnet Israel mit einer Vertiefung der Spannungen der ohnehin von zunehmender Gewaltbereitschaft geprägten Lage im Nahen und Mittleren Osten. Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte am Sonntag in Jerusalem, Bagdader Bestrebungen könnten nun Auftrieb erhalten, mit Iran und Syrien "ein Dreieck zu bilden, das ein Interesse an der Ausweitung des Konflikts hat." Auch die Bundesregierung äußerte sich besorgt.

ap JERUSALEM/LONDON. Der Angriff von 24 amerikanischen und britischen Kampfflugzeugen auf Ziele südlich von Bagdad am Freitag war der schwerste seit zwei Jahren. Nach irakischen Anhaben wurden zwei Zivilisten getötet und 20 Personen verletzt. Das von US-Präsident George W. Bush als Routinemission bezeichnete Bombardement stieß international auch bei Verbündeten auf Kritik. Die drei anderen ständigen Sicherheitsratsmitglieder Frankreich, Russland und China äußerten Vorbehalte und Ablehnung. Auch Ägypten, die Türkei und andere Länder in der Region erklärten, die politische Lage sei belastet worden. Die Bundesregierung äußerte sich besorgt, vermied aber eine Stellungnahme zu der Militäraktion. Sie erklärte, nicht vorab über den Angriff informiert worden zu sein. Auch der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit beklagte, nicht vorher informiert worden zu sein.

Sneh sagte in Interviews, der israelische Geheimdienst schließe nicht aus, dass Irak als Ausdruck der Solidarität mit den Palästinensern Raketen auf Israel abfeuern könnte. Im Golfkrieg von 1991 schoss Irak 39 Scud-Raketen auf Israel ab. Präsident Saddam Hussein unterstützt finanziell Familien von Palästinensern, die in der Gewaltwelle der vergangenen fünf Monate getötet oder verwundet wurden und ordnete am Samstag als Reaktion auf den Luftangriff die Aufstellung einer Freiwilligenarmee mit rund 300 000 Mann zur Befreiung Jerusalems an. "Seine Position in unserem Konflikt mit den Palästinensern ist eine extreme und könnte kurzfristig sehr einflussreich sein", sagte Sneh im israelischen Rundfunk. In Gaza demonstrierten rund 1 000 Palästinenser für Saddam Hussein. Sie feierten den irakischen Präsidenten als "den Führer, der Palästina befreien wird".

Luftangriffe verteidigt

Der britische Außenminister Robin Cook verteidigte am Sonntag erneut den Luftangriff. Großbritannien werde trotz internationaler Kritik den Druck auf Saddam Hussein aufrechterhalten. Cook sagte der BBC, falls die Flugverbotszonen nicht überwacht würden, bestehe die Gefahr, dass Saddam Hussein die dort lebenden Kurden und Schiiten wieder angreifen werde. "Er hat chemische Waffen gegen die Kurden eingesetzt und in Halabdscha 5 000 Menschen getötet", sagte Cook. Der Staatschef habe seine Vorstellung der Expansion in der Region nicht aufgegeben und dürfe daher keine Massenvernichtungswaffen produzieren können.

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