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Israel beschießt Konvoi mit Fatah-Führer

Die israelische Armee hat am Samstag im Westjordanland einen Fahrzeugkonvoi beschossen, in dem der führende Palästinenser-Politiker Marwan Barguti unterwegs war. Am Sonntag griffen israelische Kampfhubschrauber das Hauptquartier der palästinensischen Nationalen Sicherheitskräfte im Süden des Gaza-Streifens an.

Reuters JERUSALEM. Der Anschlag in der Nähe von Ramallah habe ihm gegolten, sagte Barguti, der Chef der Fatah-Bewegung im Westjordanland ist und eine wichtige Rolle im Palästinenser- Aufstand spielt. "Die kriminellen Besatzer werden für dieses neue Verbrechen bezahlen", sagte Barguti. Der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser sagte, Barguti sei "absolut nicht das Ziel" gewesen. Am Sonntag griffen israelische Kampfhubschrauber das Hauptquartier der palästinensischen Nationalen Sicherheitskräfte im Süden des Gaza-Streifens an.

"Mein Auto wurde nicht getroffen", sagte Barguti. "Getroffen wurde das meiner Leibwächter und eines Mannes, nach dem die (israelische) Besatzungsbehörde fahndet." Die Israelis hätten mit einem umfassenden Krieg gegen das palästinensische Volk begonnen. Die Fatah, zu deren Führungkreis Barguti gehört, ist die Hausmacht von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Der Informationsminister der Autonomie-Regierung für die besetzten Gebiete, Jassir Abed Rabbo, sprach von einem Mordanschlag auf Barguti. "Dies ist die Erklärung eines umfassenden Kriegs durch (den israelischen Ministerpräsidenten Ariel) Sharon, und wir haben seine Nachricht laut und deutlich vernommen", sagte Abed Rabbo.

Israel: Barguti war nicht das Ziel

Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete hingegen, Ziel des Angriffs sei Mohamad Abu Halaweh gewesen. Er gehört zu einer Spezialeinheit der palästinensischen Polizei, der Force 17, die auch als Leibgarde von Arafat fungiert. Halaweh erlitt Verbrennungen im Gesicht. Ben-Elieser sagte, Barguti sei nicht als Ziel gewählt worden. "Wir sind an ihm nicht interessiert."

Nach dem Raketenangriff auf Bargutis Konvoi kam es am Sonntag zu neuen Auseinandersetzungen. Unbekannte beschossen aus einem fahrenden Auto heraus israelische Soldaten auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums in Tel Aviv. Fünf Menschen wurden nach Angaben von Polizei und Rettungsdiensten verletzt.

Am frühen Sonntagmorgen feuerte die israelische Armee aus der Luft mindestens drei Raketen auf das Hauptquartier der palästinensischen Sicherheitskräfte in Gaza-Streifen. Getroffen wurde das Büro eines palästinensischen Kommandeurs. Die Armee sprach von einem Vergeltungsschlag, nachdem am Samstag aus der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes vier Mörsergranaten abgefeuert worden seien.

Kämpfe am Stadtrand von Jerusalem

Am Samstag war es bereits wieder zu schweren Gefechten zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern im Gaza-Streifen und Westjordanland gekommen. Kämpfe am Stadtrand von Jerusalem weiteten sich bis nach Bethlehem im Westjordanland aus. Der Gefechtslärm war bis in das Zentrum von Jerusalem zu hören. Elf Menschen erlitten nach palästinensischen Angaben leichte Verletzungen, darunter zehn Kinder.

Im Kampf gegen den seit zehn Monaten andauernden Aufstand der Palästinenser setzte Israel in den vergangenen Wochen auf das gezielte Töten mutmaßlicher Gewalttäter. Israel bezeichnet dies als aktive Selbstverteidigung, stößt damit im Ausland jedoch auf breite Kritik, auch bei seinem engsten Verbündeten USA. Seit Beginn der Intifada Ende September wurden mindestens 510 Palästinenser, 130 Israelis und 13 israelische Araber getötet.

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